Sport : Applaus für Argentinien D’Alessandro führt Wolfsburg zum 5:1 gegen Hamburg

Karsten Doneck

Wolfsburg. Die Geste war fair, drückte aber auch Demut aus. Rodolfo Cardoso, wegen Formschwäche beim Hamburger SV nur noch Ersatz, ging eine Minute vor Spielschluss auf dem Weg in die Kabine an der Bank des Gegners vorbei. Der alternde Spielmacher stoppte dort, wo sein argentinischer Landsmann Andres D’Alessandro saß. Dann gratulierte der 34-jährige Cardoso dem zwölf Jahre jüngeren Spielmacher des VfL Wolfsburg. Ein kurzer, sympathischer Auftritt von einem, der eine schwere Last zu tragen hatte: Cardoso hatte von der Seitenlinie aus mit ansehen müssen, wie der HSV nach einer 1:0-Führung durch Barbarez vom VfL Wolfsburg noch mit 1:5 (0:0) gedemütigt worden war. Wolfsburgs Regisseur D’Alessandro war in der 80. Minute ausgewechselt worden. Die Zuschauer auf den teuren Plätzen hatten sich zu seinen Ehren erhoben und brachten ihm Ovationen dar.

Nach 50 Minuten der Partie stand beim HSV das „H“ im Namen offenbar für Hühnerhaufen. Da war der Wolfsburger Martin Petrow wie ein 100-m-Läufer aus der eigenen Hälfte losgesprintet, über die rechte Seite bis in den HSV-Strafraum eingedrungen, hatte dabei Christian Rahn stehen lassen, als sei der ein Hobby-Marathonläufer bei Kilometer 35. „Der läuft 70 Meter allein – das kann nicht sein“, sagte HSV-Trainer Kurt Jara. Und dann fand Petrow auch noch die Kraft, den Ball an HSV-Torwart Pieckenhagen vorbei ins Netz zu schieben – das 2:1 für den VfL. Anschließend wurde die HSV-Abwehr von den VfL-Kontern in Einzelteile zerlegt: Müller, D’Alessandro und Klimowicz, der auch schon zwei Minuten nach der HSV-Führung den Ausgleich besorgt hatte, erhöhten zum 5:1-Endstand. Jara rügte hernach die Disziplinlosigkeit seiner Abwehr: „Es kann nicht sein, dass da jeder macht, was er will. Die letzten 40 Minuten – das hatte bei uns mit Bundesligafußball nicht mehr viel zu tun.“

Der HSV hatte vor der Pause noch dominiert. „Die haben den Ball laufen lassen, wir standen zu weit weg von den Gegnern“, monierte VfL-Trainer Jürgen Röber. Keine Ecke hatten die Gastgeber in der ersten Hälfte herausgeholt (der HSV immerhin deren fünf), aber drei hochkarätige Chancen. Die beste vergab Martin Petrow, als er unmittelbar vor der Pause einen Freistoß ans Lattenkreuz setzte. Die einzige Reaktion von HSV-Torwart Pieckenhagen war ein dankbarer Blick Richtung Torgestänge. Überhaupt Petrow – der überragte alle. „Martin zweifelt jetzt nicht mehr an seinen Stärken“, sagte Petrow.

Die Bilanz des HSV nach den ersten drei Spielen ist erschreckend: ein Punkt, 2:8 Tore. Der Ligapokalsieger und Uefa-Cup-Teilnehmer träumte von großen Spielen in nicht allzu ferner Zukunft in Turin und Madrid, vielleicht sollte man auch mal an Ahlen und Regensburg denken. „Das Wasser steht uns bis zum Hals“, sagte Jara. Die nächsten Gegner des HSV: Bayern München daheim und auswärts Bayer Leverkusen.

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