Sport : Aragonés zu Fenerbahce

Wien - Die Fans flehen „quedate Luis!“, der Verbandspräsident bettelt, die Spieler bitten „wir hätten gerne, dass er bleibt“ und die spanischen Medien starten eine Kampagne: Aber allem innigsten Werben zum Trotz bekräftigt Luis Aragonés immer wieder, dass er nach dieser EM als Nationaltrainer zurücktreten werde. „Es ehrt mich, dass meine Arbeit so geschätzt wird“, sagte er vor dem Halbfinale gegen Russland. „Aber mein Entschluss steht fest. Punktum! Ich bin wie Milch. Wenn das Verfallsdatum einmal abgelaufen ist, kann man sie nicht mehr trinken.“ Allerdings will sich Aragonés mit dem Abschied von der „Selección“ noch etwas Zeit lassen. Für seinen Ausstand hat sich der Garant der rot-gelben Fußball-Renaissance eigentlich das Endspiel am Sonntag reserviert. Mit dem ersten Titeltriumph nach 44 Jahren für den Europameister von 1964 würde sich Aragonés in Spanien unsterblich machen.

Danach jedoch zieht es ihn offenbar in die Türkei: Aragonés wird neuer Coach des Erstligisten Fenerbahce Istanbul. Der 69-Jährige habe bereits einen Vorvertrag für zwei Jahre unterschrieben, teilte der türkische Verein am Mittwoch auf seiner Internetseite mit. Details sollten nach der Europameisterschaft geklärt werden. Mit diesem Schritt unterstreicht Aragonés auch noch im höheren Alter einen Charakterzug, der ihn schon in jungen Jahren auszeichnete: Als Spieler war der Stürmer ein Draufgänger. Zwischen 1957 und 1974 brachte er es bei verschiedensten Klubs auf 757 Einsätze in der Ersten Liga. Seine größten Erfolge feierte „Zapatones“ („Riesenschuh“), der wegen seiner Freistoß-Hammer gefürchtet war, mit Atlético Madrid: Dreimal Meister, zweimal Pokalsieger, einmal Torschützenkönig. Im Nationalteam erzielte er in elf Spielen drei Treffer. Als Coach trainierte er anschließend die halbe spanische Liga, am längsten und erfolgreichsten Atlético. In dieser Funktion gelangen ihm ein Weltcupsieg, ein Meistertitel und vier Pokal-Gewinne. 2004 berief ihn dann der Verband.

Nun reizt ihn also Fenerbahce Istanbul. Apropos „Verfallsdatum“ und „saure Milch“: In der Türkei ist Joghurt ein ausgesprochener Renner. dpa

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