Sport : Arbeiten gegen die Müdigkeit

Nach der Niederlage beim Tabellenletzten Hannover streicht Eisbären-Trainer Pagé den trainingsfreien Tag

Claus Vetter[Hannover]

Pierre Pagé war mit sich selbst beschäftigt. Bloß schnell raus hier, schien der Kanadier zu denken. Zumal die Kulisse in der Hannoveraner Arena am Sonntagnachmittag für den Trainer der Berliner Eisbären keine Gemütlichkeit ausstrahlte. Denn als Pagé wortlos seine Runden in den weitläufigen Kellergängen drehte, da triumphierte auf dem Videowürfel noch ein glücklicher zweifacher Torschütze der Scorpions in einem Interview. Es drang bis in die Katakomben, was Stürmer Robert Hock ins Mikrofon brüllte: „Wenn wir weiter so spielen, dann steigen wir nicht ab.“ Und wenn die Eisbären so weiter spielen wie in Hannover, dann spielen in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) andere um die Meisterschaft.

Es war die erste Berliner Niederlage nach 60 Spielminuten seit dem 17. Dezember, als die Eisbären 2:4 in Krefeld verloren. Und das Spiel in Hannover war das Ende einer Serie mit Spielen im Zwei-Tages-Takt, das Ende einer anstrengenden Serie. „Es war sicher unser schlechtestes Spiel seit Krefeld“, sagte Eisbären-Torhüter Oliver Jonas. „Die Luft war raus, die Erschöpfung bei uns zu groß.“

Derlei Erklärungen allerdings reichen Pierre Pagé nicht. Am Montag bat der Trainer sein Personal zum Training, obwohl die Spieler eigentlich frei haben sollten. „Wir könnten auswärts mehr Punkte haben. Unser Problem ist, dass auswärts nicht alle Spieler die Leistung bringen, die sie in Berlin bringen“, sagte Pagé. An der Analyse dieses Problems arbeite er gerade. „Vielleicht muss da mancher seine Einstellung ändern: Anders essen, anders schlafen, sich anders vorbereiten – so macht das ein Profi, wenn er merkt, dass etwas nicht funktioniert.“

Natürlich ärgerte sich Pagé auch noch am Montag über die verschenkten Punkte von Hannover. Schließlich sei die Situation in der Tabelle nun nicht mehr so günstig für die Eisbären, die auf Rang fünf abgerutscht sind. „Das können wir nicht akzeptieren.“ Ein Platz unter den ersten vier sei am Ende der Hauptrunde Pflicht für sein Team, sagt Pagé – von wegen Heimvorteil in den Play-offs. „Kommen wir nicht unter die ersten vier, kann uns das viel Geld kosten“, sagt Pagé. Das wissen auch die Spieler, sagt Oliver Jonas „Wir hatten vielleicht am Sonntag schon zu sehr den Freitag im Kopf.“ Dann kommt nämlich Tabellenführer Nürnberg nach Berlin. Ein Team, gegen das die Eisbären in der DEL sechs Mal in Folge verloren haben und ein Gegner, gegen den sie sich, wie Jonas sagt, diesmal „auf jeden Fall zusammenreißen wollen“. Vielleicht also kam die Niederlage in Hannover zum richtigen Zeitpunkt für die Eisbären.

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