Arbeitsgerichts-Prozess : Gericht entscheidet für Patschinski und gegen Union

Zweitligist 1. FC Union verliert den Arbeitsgerichts-Prozess gegen Nico Patschinski. Der Stürmer hatte gegen seine fristlose Kündigung geklagt.

Matthias Koch
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Nico Patschinski.Foto: Matthias Koch

Nico Patschinski kramte nach der Verhandlung vor dem Berliner Arbeitsgericht in der Seitentasche seines Autos. Der Fußball-Stürmer holte kurz eine Autogrammkarte hervor, die ihn in der Spielkleidung des Zweitligisten 1. FC Union zeigt. Diese Geste war symbolisch. Denn seit gestern ist er theoretisch wieder ein Mitglied des neuen Zweitligisten Union mit einem Vertrag bis zum 30. Juni 2010. Richterin Iris Sanchez Alfonso gab dem klagenden Profi im Rechtsstreit mit dem 1. FC Union Recht. Der Köpenicker Verein muss die am 4. März 2009 ausgesprochene fristlose Kündigung zurücknehmen.

„Ob ich zufrieden bin? Ich weiß nicht“, sagte Patschinski leise. „Es ist schön, dass die Richterin den Fall genauso gesehen hat, wie ich. Ich habe mir nichts vorzuwerfen.“

Patschinski darf sich zunächst einmal als Sieger fühlen. Denn neben der fristlosen Kündigung muss Union auch die Abmahnung vom 14. Januar 2009 zurücknehmen und aus der Personalakte streichen. Auch die 5000 Euro, die Union als Vertragsstrafe geltend gemacht hatte, müssen nun an den skandalumwitterten Fußballer ausgezahlt werden.

„Das Gericht hat aufgrund formaler Begleiterscheinungen so entschieden“, sagte Unions Anwalt Michael Müller, der mit der Richterin unzufrieden war. Mit Oskar Kosche, dem Geschäftsführer des Vereins, hatte Müller versucht, die Schwere der angeblichen Vergehen Patschinskis zu erklären.

Die Richterin empfand es jedoch als „nebulös“, dass Patschinskis Teilnahme am Pokerturnier des Köpenicker Erzrivalen BFC Dynamo am 27. Dezember 2008 zur Abmahnung inklusive Geldstrafe führte. In der Verhandlung kam zudem ans Licht, dass Unions Präsident Dirk Zingler auf Druck einiger Sponsoren und Fans dem teuersten Akteur des Clubs fristlos gekündigt hatte.

Das Arbeitsgericht sah keinen zwingenden Anlass für eine Kündigung. Andere Verfehlungen Patschinskis wie Nachwehen seiner Spielsucht oder lockere Zeitungsinterviews seien Union schon vor der Vertragsverlängerung Mitte Januar 2008 bekannt gewesen. „Wir können uns nach wie vor vorstellen, das Arbeitsverhältnis fortzusetzen“, sagte Patschinskis Anwalt Frank Rybak.

Union will in Berufung gehen. Bis dahin werde Patschinski nach dem Ende seines Urlaubs in die zweite Mannschaft integriert – für 15.000 Euro brutto monatlich. Ob es auch noch eine neue Union-Autogrammkarte von Patschinski geben wird, das ist jedoch mehr als fraglich.

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