Sport : Arena Auf Schalke: Der Star ist das Stadion

Klaus Wegener

Raus aus der Stätte des Grauens, ab in die neue Fußballwelt. Raus aus dem ohnehin ungeliebten, weil ungemütlichen Parkstadion, in dem Schalke zu allem Überfluss in der vergangenen Saison in letzter Minute noch die Meisterschaft entglitt, ab in die Arena Auf Schalke. Schalker Fans geraten ins Schwärmen, wenn sie von ihrem neuen Zuhause reden. "Wer das erste Mal da reinkommt", sagt Rolf Rojek, Vorsitzender des Schalker Fanklub-Verbandes, "der erlebt diesen Booaahh-Effekt." Auf Schalke, das ist mehr als nur ein Dach über dem Kopf, das bei schlechtem Wetter geschlossen werden kann. "Wir müssen uns nie mehr Sorgen wegen Regen, Schnee und Glatteis machen", sagt Aufsichtsratsmitglied Hans Kleine-Büning.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Das gilt vielleicht, wenn die Fans erstmal im Stadion sind. Doch um hinzukommen zur neuen Kultstätte, die direkt an der A 2 gelegen ist, müssen sie schon noch mit widrigen Witterungsbedingungen rechnen. Darauf können auch blau-weiße Götter keinen Einfluss ausüben. Aber wer die Anfahrt geschafft hat, der ist bald mächtig beeindruckt. Platz für 62 000, immer ein Dach über dem Kopf, wenn es notwendig ist. "Trotzdem fühlt man sich wie in einem Fußballstadion", sagt Rolf Rojek, und nicht wie in einer Halle. Dass es mit der Eröffnung noch auf sich warten lässt und der Meisterschaftszweite und Pokalsieger am heutigen Sonnabend wegen Bauarbeiten noch spielfrei hat, nehmen sie gelassen. Das Heimspiel gegen Hansa Rostock wird dann halt am 21. August nachgeholt.

Ungeduldige können sich schon jetzt rund um die Uhr auf einer speziellen Homepage mittels einer Webcam ein Bild machen vom Zustand der Arbeiten. Bis zum 13. August muss alles fertig sein, dann geht es Schlag auf Schlag. Eröffnungsturnier mit einem Spiel gegen - ausgerechnet - Borussia Dortmund, Showeinlagen mit DJ Ötzi und Lionel Richie, ein Fanspiel zwischen Schalker und Nürnberger Anhängern, die eine lange Fanfreundschaft verbindet.

Vielleicht werden die Feierlichkeiten ins Stocken geraten, wenn auf dem riesigen Videowürfel unter dem Dach Bilder der Historie zu sehen sind. Spätestens dann werden Erinnerungen wach an die Glückaufkampfbahn, in der einst Szepan und Kuzorra kickten, und eben auch an das Parkstadion. An die vielen Titel der Alten und an den Uefa-Cup-Sieg von 1997. Und vielleicht werden irgendwann auch die Bilder der letzten Saison verarbeitet sein. Für vier Minuten waren sie Deutscher Meister. Irgendjemand hatte behauptet, das Spiel in Hamburg sei aus, die Bayern seien geschlagen. Ein Tor in letzter Sekunde, auf der Videowand zu sehen, beendete die Feier jäh. Schalke und die Schale, vielleicht klappt es damit in der neuen Schüssel. In der alten hat der Traditionsklub keinen Meistertitel geholt. Das Parkstadion wurde zur Weltmeisterschaft 1974 gebaut. Meister war Schalke zuletzt 1958.

"Aber wir haben im Parkstadion viele Tränen vergossen", sagt Rojek. Und in 28 Jahren denkwürdige Szenen und Spiele erlebt. Beispielsweise als Brasiliens Weltstar Ronaldo gegen Kultfigur Yves Eigenrauch im Uefa-Pokalspiel gegen Inter Mailand keinen Stich bekam. Oder die Sternstunde des jungen Olaf Thon beim 6:6 im Pokal-Halbfinale gegen Bayern. Aber auch Erinnerungen an den Zweitligaalltag gegen Meppen und Lüttringhausen werden wach. "Wir haben oft für viel Geld einen nassen Arsch bekommen, weil das Dach undicht war", sagt Rojek. Und immer saß man viel zu weit weg vom Geschehen auf dem Platz.

Jetzt freut sich nicht nur Ober-Fan Rojek darauf, die Schweißperlen auf der Stirn der Spieler sehen zu können. Die Fans hatten als Mitglieder der Stadionbau-AG Mitspracherecht bei der Gestaltung der Arena. "Wir konnten Namensvorschläge einreichen, wir konnten auch Bausteine kaufen." Damit konnten zwar nicht die Kosten von rund 360 Millionen erwirtschaftet werden. Aber immerhin ein paar Tausend erwarben für 500 Mark einen Stein. Die Gegenleistung: zehn Einkaufsgutscheine à fünfzig Mark für den Fanshop und ein Platz für den Namen des Fans auf einer Gedenktafel im Eingangsbereich.

Die Aussicht auf "das modernste Stadion Europas" (Manager Rudi Assauer) motivierte über 40 000 Fans zum Kauf einer Dauerkarte. "Die Tradition bekommt mit der Arena ein neues Zuhause", liest man auf der Homepage der Schalke-Fan-Initiative. In Hamburg mögen sie mit der AOL-Arena vielleicht Vorreiter für neue Vermarktungswege sein, sagt Rolf Rojek, "aber die Fans werden sich da sicher nicht zu Hause fühlen."

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