Sport : Arena Auf Veltins

Stefan Hermanns

über einen schwarzen Tag für Fußball-Traditionalisten Der FC Schalke 04 geriert sich gern als Hort des wahren und echten Fußballs. Nirgendwo wird Tradition mehr gepflegt als in Gelsenkirchen, nur auf Schalke gibt es unter den Fans immer noch mehr Kuttenträger als moderne Ultras. Dieser Hang zum Retro hat vor allem historische Gründe: Der Mythos Schalke ist in einer fernen Vergangenheit entstanden, und er wird von niemandem glaubwürdiger personifiziert als von Rudi Assauer, dem letzten Patriarchen der Bundesliga. Assauer schließt Verträge noch am liebsten per Handschlag ab.

Dieses schöne Selbstbild hat nun ein paar hässliche Risse bekommen. Die Arena Auf Schalke, Assauers ganzer Stolz, wird ab dem 1. Juli Veltins-Arena heißen. Wenigstens Bier, werden die Traditionalisten sagen, die der Kommerzialisierung traditionell kritisch gegenüberstehen. Doch niemand wird ernsthaft geglaubt haben, dass ausgerechnet Schalke sich dieser Entwicklung dauerhaft würde entziehen können: Wer mehr als 100 Millionen Euro Schulden hat, kann sich Nostalgie ganz einfach nicht leisten.

Als der HSV vor vier Jahren seinen Stadionnamen an AOL verkauft hat, war das noch die Ausnahme, inzwischen ist es die Regel. Kein Verein verzichtet freiwillig auf eine Menge Geld, für das eine recht geringe Gegenleistung erwartet wird. Vielleicht freuen sich jetzt ein paar Fans von Borussia Dortmund, Schalkes ewigem Rivalen, dass das Westfalenstadion immer noch Westfalenstadion heißt. Man sollte das nicht als Ausdruck von Standhaftigkeit werten. Es ist eher ein Zeichen dafür, dass sich noch niemand gefunden hat, der genug zu zahlen bereit ist.

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