Argentinien : Maradona will sein Amt zurück

Erst nach der WM als Argentiniens Nationaltrainer abgesetzt, will Diego Maradona nun wieder zurück. Anscheinend arbeitet er hinter den Kulissen schon länger an einer Reinthronisierung.

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Es ist eine Szene, wie man sie in Deutschland nur aus den Sommerinterviews von Politikern kennt. Diego Maradona sitzt in der Frühlingssonne im Garten seiner Finca in Ezeiza, einem noblen Vorort von Buenos Aires, seine Beine erreichen kaum den Boden, ihm gegenüber sitzt: Fernando Niembro, im Hauptberuf ein Freund Maradonas, im Nebenberuf Radio- und Fernsehjournalist. Es ist das erste Interview Maradonas seit Argentiniens WM-Aus gegen Deutschland und dem Verlust seines Trainerpostens, seit mehr als 70 Tagen hat er nicht mehr öffentlich gesprochen. „Du hast ein Paradies hier“, flötet der weißhaarige Niembro. „Die Vögel, die Blumen, die Bäume – und trotzdem möchtest du weiter Nationaltrainer sein?“

Natürlich möchte Maradona. „Ich würde mein Leben geben, um wieder Nationaltrainer zu sein“, sagt der 49-Jährige. „Ich bin verzweifelt, ich gäbe einen Arm dafür her.“

Im Exklusivgespräch wechselt Maradona spielend von solch demütigen Statements zu Attacken gegen fast jeden im Umfeld des Nationalteams, vor allem gegen den Verbandspräsidenten. „Hier gibt es keine Führungsgremien, die den Trainer bestimmen, sondern nur einen Patriarchen namens Julio Humberto Grondona“, wettert Maradona. Nach der 0:4-Pleite gegen Deutschland habe Grondona ihm zugesichert, dass er als Nationaltrainer weitermachen werde. Bei einem Gespräch Anfang Juli habe er darauf bestanden, Maradonas Trainerstab auszutauschen. Der ehemalige Weltklassefußballer verteidigt seine Assistenten, um kurz darauf erstmals Gesprächsbereitschaft über ihre Weiterbeschäftigung zu signalisieren. „Darüber müsste man reden.“ Doch bisher wartet Maradona vergeblich auf einen Anruf Grondonas.

Derweil zieht Maradona lieber über seinen Nachfolger Sergio Batista her: „Den kennen sie doch nicht mal in Uruguay.“ Die beiden Siege des Interimstrainers über Irland (1:0) und Spanien (4:1) hat er sich nicht angesehen, zu groß sei der Schmerz, beichtet er seinem Busenfreund Niembro, der einst nach Maradonas Doping-Sperre 1994 in einem Buch über eine CIA-Verschwörung gegen ihn fabulierte.

Doch obwohl Maradona wochenlang von der Bildfläche des Fernsehlandes Argentinien verschwunden war, ist er nicht untätig gewesen. Hinter den Kulissen arbeitete er an seiner Reinthronisierung. Vor einer Woche traf er das Präsidentenehepaar Kirchner in ihrem Regierungssitz in Olivos. „Kirchner hat mir zurWM gratuliert und gesagt, dass er wütend war über die Entscheidung, nicht mit mir zu verlängern“, berichtet Maradona. Nestor Kirchner ist politisch und gesundheitlich angeschlagen. Daher hofft er auf Maradonas Unterstützung im Wahlkampf 2011, um seine Ehefrau Cristina wieder im Präsidentenamt abzulösen und die Kirchner-Dynastie fortzuführen. Doch es ist zweifelhaft, dass die beiden Populisten Maradona wieder ins Traineramt helfen. In Umfragen der Zeitungen „Clarin“ und „La Nacion“ sind jeweils 90 Prozent der Leser dagegen, dass Maradona als Nationaltrainer zurückkehrt. Dazu gilt es als so gut wie sicher, dass der Verband den erfolgreichen Batista Ende des Jahres zur Dauerlösung erklären wird. Stattdessen, so hört man, wollen die Kirchners Maradona einen Fantasieposten im Sportministerium schaffen. Zumindest vorerst.

Es gibt Spekulationen, dass der 79-jährige Grondona sich nach der Copa America 2011 nach 32 Jahren an der Verbandsspitze zurückziehen könnte. Folgt ihm ein regierungstreuer Funktionär nach, würde das Maradonas Chancen erhöhen, im Wahljahr wieder Nationaltrainer zu werden. So ist es auch zu verstehen, wenn Maradona nach all den Attacken gegen den Verband dennoch sagt: „Ich glaube, dass ich Chancen habe, zurückzukehren.“

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