Sport : Argentinien schlägt Hertha

Die Südamerikaner D’Alessandro und Klimowicz schießen beim 3:0 die Wolfsburger Tore

Michael Rosentritt

Von Michael

Rosentritt

Wolfsburg. Huub Stevens konnte schon einmal vorfühlen, wie es ist, wenn er nicht mehr bei Hertha BSC auf der Trainerbank sitzt. Der Niederländer, der derzeit eine Strafe absitzen muss, nahm in Wolfsburg in Reihe eins der Ehrentribüne Platz. Von dort musste er mit ansehen, wie sein Team regelrecht vorgeführt wurde vom VfL, der am Ende verdient mit 3:0 gewann. Ein überragender Andres D’Alessandro und der zweifache Torschütze Diego Klimowicz schossen den Berliner Bundesligisten zurück in die Krise.

Für Stevens sollte es ein ungemütlicher Nachmittag werden. Im Spiel eins nach dem mit viel Glück überstandenen Ultimatum musste er erfahren, dass nach dem Ultimatum vor dem Ultimatum ist. Zehn Minuten vor Ende durfte dessen Erfinder, Herthas Manager Dieter Hoeneß, mit anhören, was Wolfsburger Anhänger sangen: „Ohne Stevens fahrt ihr heut’ nach Haus.“ Die Berliner Fans ließen nicht lange auf sich warten. „Stevens raus!“, antworteten sie. Die Choreographie wird Herthas Entscheidungsträgern sehr vertraut vorgekommen sein. Nur zwei glückliche Siege gegen den Tabellenletzten der Bundesliga in Rostock hatten Stevens vor dem Rauswurf gerettet.

Der Niederländer hatte gestern der Elf vertraut, die zuvor zweimal erfolgreich war. Nach einer gespielten Stunde aber hatte auch der Letzte begriffen, dass Hertha das Glück von Rostock nicht hatte hinüberretten können. Erst setzte Luizao einen Kopfball an den Pfosten des Wolfsburger Tores, nur zwei Minuten später Fredi Bobic. „Diese Dinger musst du einfach reinmachen“, sagte Hoeneß. Zu diesem Zeitpunkt führte der VfL bereits 2:0, und ein Ausgleich hätte das Spiel auf den Kopf gestellt. Wolfsburg dominierte das Geschehen. Vor allem Spielmacher D’Alessandro narrte mehrfach Herthas komplette Hintermannschaft. Auf die Frage, warum niemand den Argentinier in Manndeckung genommen hatte, antwortete Stevens: „Da muss ich die Leute haben, die das können.“ Niko Kovac versuchte es gelegentlich. In der ersten halben Stunde trat er D’Alessandro fünfmal gegen den Knöchel. In der zweiten Halbzeit rannte er dem wendigen Techniker nur noch hinterher.

Hertha versuchte, mit langen Bällen das Mittelfeld zu überwinden. Das gelang nur in der ersten Halbzeit. Nach dem zweiten Gegentor durch Klimowicz gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit „weiß man, dass du ein verlorenes Spiel spielst“, sagte Stevens. „Wir machen immer wieder dieselben Fehler“, sagte Marko Rehmer. Der Kapitän war einer der wenigen Spieler, die sich hinterher äußern wollten. Die meisten verschwanden sprachlos im Mannschaftsbus, der von wütenden Fans umlagert wurde.

Nur Wolfsburgs Fans hatten ihre Freude. „Wir haben Röber und ihr nicht!“, sangen sie. Röber wollte sich zur Situation seines ehemaligen Klubs nicht äußern. Er sagte nur: „Diese Mannschaft sollte das nächste Heimspiel gewinnen.“ Sonst stehen die Zeichen wohl auf Trennung von Stevens. Als Hoeneß nach Konsequenzen gefragt wurde, antwortete der Manager: „Welche Konsequenzen meinen Sie? Nach diesem Spiel fehlt uns ein Punkt.“ Vor dem Spiel hatte er schon vorgebaut für den Fall, der nun eingetreten ist. „Wir werden jetzt nicht alle Spiele gewinnen.“

Hertha fuhr an diesem Abend tatsächlich ohne Stevens nach Hause. Der hatte sich durch einen Seiteneingang aus dem Stadion gemogelt und reiste anschließend nach Mainz ins „Sportstudio“. Den Ärger der Fans bekamen so nur die Spieler zu spüren.

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