Arjen Robben : Standgehalten ohne Belohnung

Arjen Robben wird getreten und gestoßen – er hält das aus, findet aber an diesem Abend des Champions-League-Finales von Madrid keine Kollegen auf seinem Niveau.

von
Um den Lohn gebracht: Arjen Robben.
Um den Lohn gebracht: Arjen Robben.Foto: dpa

Nach einer halben Stunde hat Arjen Robben genug. Genug von den Tritten, Stößen und Grätschen, mit der ihn die Herren Goran Pandev, Cristian Chivu und Walter Samuel zusetzen, dort drüben auf der rechten Seite, wo Bayerns Holländer so gern das Spiel seiner Mannschaft in Szene setzt. Vielleicht ist es auch eine Art Selbstschutz, dass er nach einer halben Stunde die Seite wechselt. Bloß nicht noch eine Verletzung, ausgerechnet im Estadio Santiago Bernabeu. Arjen Robben ist nicht nach Madrid zurückgekehrt, um seiner Madrider Leidenszeit ein weiteres Kapitel hinzuzufügen.

Tritte, Stöße und Grätschen haben ihm genug Verletzungen eingebracht, in seiner Karriere und erst recht in den 18 Monaten, die er das Trikot von Real Madrid getragen hat. Als er im Herbst 2009 für 25 Millionen Euro nach München wechselte, hielt man das bei Real für ein gutes Geschäft. Aber für solche Irrtümer ist der verrückteste Klub der Welt ja bekannt.

Im großen Finale gegen Inter zeigt Robben, dass er in seiner kurzen Münchner Zeit ein anderer Fußballspieler geworden ist. Einer, der sich nicht irritieren lässt von körperlichen Animositäten, selbst wenn sie von der härtesten Abwehr der Welt vorgetragen werden. Jeder der zunächst spärlichen Münchner Angriffe läuft über Robben, und es kommt ihm dabei zugute, dass Inter keineswegs so defensiv beginnt, wie es viele vorausgesehen hatten. Die Interisti wehren sich auf ihre Art. Schon nach ein paar Minuten lässt Samuel den Münchner Quälgeist zum ersten Mal über das Bein springen. Nach einer guten Viertelstunde haben sich schon vier Fouls gegen Robben angesammelt, und es wäre wohl allzu naiv, darin kein System zu sehen.

Vor ein paar Wochen saß José Mourinho zwecks Ausspähung der Bayern auf der Tribüne des Berliner Olympiastadions, und später hat Inters portugiesischer Trainer in dem ihm eigenen Ton angemerkt, er hätte sich diesen Besuch auch sparen können, „das war ja nur ein Freundschaftsspiel“. Auch in einem bedeutungslosen Bundesligaspiel fand sich kein Münchner, der Robben die Rolle des Alleinunterhalters streitig machen wollten. Es war gegen den Absteiger Hertha BSC nicht anders als in der Champions League gegen Olympique Lyon oder im DFB-Pokal gegen Werder Bremen.

In Madrid setzt Robben ein paar Mal Ivica Olic in Szene, er schießt über das Tor und hält ansonsten den Mailänder Attacken stand. Am meisten tut er sich weh bei einer Grätsche, die er selbst ansetzt, gegen seinen Landsmann Wesley Sneijder. Den haben sie im Herbst ebenfalls davongejagt bei Real. Sneijder spielt nicht so spektakulär wie Robben, aber das ist auch nicht erwünscht in einem System, dem der Weltklassestürmer Samuel Eto’o als besserer Rechtsverteidiger dient.

Es ist denn auch ein mit spartanischer Akkuratesse vom Mailänder Holländer vorgetragener Angriff, der Inter die Führung einbringt. Es reicht ein exakter Pass Sneijders in das Herz der Münchner Innenverteidigung. In die Lücke zwischen Martin Demichelis und Daniel van Buyten spielt er den Ball, genau auf Diego Milito, der leicht vollendet.

Arjen Robben ist bis zum Schluss der auffälligste Münchner. Einmal kann ihn Pandev mit einem Ringergriff am Eindringen in den Strafraum hindern, dann legt er Müller auf zum missratenen Volleyschuss, einen Drehschuss Robbens lenkt Julio Cesar mit Mühe zur Ecke. Dann trifft Milito zum zweiten Mal für Inter, aber Robben rennt und dribbelt und gestikuliert weiter. Allein, es findet sich an diesem Abend kein Kollege, der auf höchstem Niveau mitmachen kann.

Autor

4 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben