Arjen Robben : Wij zijn wij

Trainer van Gaal holt in Arjen Robben einen weiteren Landsmann zu den Bayern. In diesen problematischen Tagen zeigt sich, dass van Gaals Prinzipien nicht so betoniert sind, wie er gern propagiert.

Sebastian Krass[München]
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Hup Holland hup. Neben van Gaal treibt künftig auch Robben die Bayern an. Foto: dpadpa

Diesen Exkurs in die Vergangenheit machte Louis van Gaal gern mit. In der Pressekonferenz am Freitag brachte ein niederländischer Journalist die Sprache auf jene Reise nach Argentinien im Jahr 2001. Van Gaal war damals niederländischer Nationaltrainer, die Nachwuchsauswahl trat in Südamerika bei der U-20-WM an. Es waren die einzigen drei Wochen, die van Gaal bisher mit Arjen Robben zusammengearbeitet hat. „Er war damals zwei, drei Jahre jünger als die anderen“, erzählte van Gaal. „Für die niederländische Presse war das eine Novität. Aber er war ein großes Talent, und ich habe das Ziel, junge Spieler zu entwickeln.“

Seit Freitag nun haben van Gaal und Robben wieder das Vergnügen miteinander. Der Spieler absolvierte am Vormittag die routinemäßigen Gesundheitstests. Danach unterzeichnete er einen Vier-Jahres-Vertrag beim FC Bayern und machte bereits beim nachmittäglichen Abschlusstraining mit. Er bekommt die Trikotnummer zehn, die zuletzt Roy Makaay trug. Und was van Gaal über seinen neuen Untergebenen erzählte, legte die Vermutung sehr nahe, dass Robben am Samstag gegen den VfL Wolfsburg sein Bundesligadebüt geben wird. Zwar räsonierte van Gaal darüber, dass sich ein Spieler ja erst mit den Kollegen einspielen müsse. Aber Robben scheint das nicht nötig zu haben. Ein Einsatz sei durchaus „denkbar, er ist in guter Verfassung, hat mit Madrid schon Spiele gemacht“. Auch Robben selbst bezeichnet sich als „topfit und bereit zu spielen“. Aus van Gaals Sicht sind die etwa 25 Millionen Ablöse gut angelegt. „Wir haben neben Ribéry einen mehr, der Kreativität auf engem Raum ins Spiel bringt“, sagt van Gaal. „Wir wollen aufwärts, uns verbessern, entwickeln. Das geht nur mit außergewöhnlichen Spielern.“

In diesen problematischen Tagen zeigt sich, dass van Gaals Prinzipien nicht so betoniert sind, wie er gern propagiert. Robben und Ribéry, an denen die Hoffnung auf Besserung hängt, sind dribbelnde Antithesen zum schematisierten Schnellpassspiel, das der Bayerntrainer in der Theorie vertritt. Dafür ist es oft unwiderstehlich – für Zuschauer wie Gegenspieler – wenn der 25-jährige Robben seinen nur noch spärlich behaarten Kopf senkt und drauflos kurvt.

Für einen Einsatz Robbens gegen Wolfsburg spricht auch der Überraschungseffekt. VfL-Trainer Armin Veh wird seine Abwehr kaum vorbereiten können auf das, was sie da erwarten dürfte. Denn auch das Spielsystem der Bayern ist noch fraglich. Am wahrscheinlichsten ist, dass van Gaal auch das Prinzip Mittelfeldraute opfert. „Wir haben die Vorbereitung genutzt, um eine Nummer zehn zu finden, sie aber nicht gefunden“, gab er zu. Mit Robben kann er ein plausibles 4-3-3 bilden. Miroslav Klose müsste dafür weichen. Ivica Olic könnte zunächst die Linksaußenposition besetzen. Denn Franck Ribéry, so stellte van Gaal es am Freitag dar, ist noch nicht bereit für einen Einsatz von Anfang an. „Er ist vielleicht fit für 20 oder 30 Minuten.“

Dass die Verpflichtung Robbens Risiken birgt, scheint auch dem Trainer bewusst zu sein. Den FC Barcelona hatte van Gaal einst zu radikal hollandisiert. In München wurde aufmerksam registriert, dass er Mark van Bommel zum Kapitän machte und Edson Braafheid herlotste (auch sein anderes Mitbringsel Danijel Pranjic hat zuletzt in der Eredivisie gespielt). Und nun auch noch Robben. Bei dem Thema kam van Gaal ins Drucksen. Die Verpflichtungen habe „ich nicht beschlossen“, er könne das nur „besprechen mit dem Vorstand“. Auch die Verletzungsanfälligkeit Robbens (in der Patientenakte sind ein Muskelriss, Muskelfaserrisse, Bänderrisse und ein doppelter Fußbruch vermerkt) ist van Gaal bewusst: „Er ist ein explosiver Spieler, da kann man Muskelverletzungen erwarten, das hat man auch bei Ribéry gesehen.“

Zumindest eines ist den Bayern mit dem Robben-Transfer geglückt. Er warf so viele Fragen auf, dass für das Thema Wackel-Abwehr kaum Zeit blieb. Allein zur Torhüterfrage sagte van Gaal ein paar Worte, die nichts Gutes für Michael Rensing erwarten lassen. „Ich könnte auch den Torwart wechseln. Das ist für mich normal.“ Verpflichtungen für die Defensive sind laut den Vereinsoberen nicht mehr geplant. Ihrer Analyse nach liegt da nicht das Problem. Louis van Gaal sagt: „Wünsche habe ich immer. Vielleicht überrascht der Vorstand mich ja noch.“

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