Arjen Robben : Zoff im Sandkasten

Der Individualist Robben belastet Bayerns Kollektiv.

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Hier, ich schieße! Arjen Robben schnappte sich bei beiden Elfmetern den Ball. Foto: dpa
Hier, ich schieße! Arjen Robben schnappte sich bei beiden Elfmetern den Ball. Foto: dpaFoto: dpa

Mario Gomez freute sich schon auf diesen Elfmeter. Schließlich waren ihm kurz zuvor schon zwei Tore entwendet worden: erst vom Schiedsrichter, der zu Unrecht auf Abseits entschied, dann von Franck Ribéry, der ihm den Schuss zum 3:1 wegschnappte. Da hätte Gomez zumindest gern das 4:1 erzielt. Doch wieder hatte jemand etwas dagegen, und zwar sehr entschieden: Mit herrischer Geste forderte Arjen Robben den Ball. Und weil Gomez ein friedliebender Mensch ist, gewährte er dem Mitspieler die Chance, sein zweites Tor nach knapp zweimonatiger Verletzungspause zu erzielen. Was dieser dann auch tat und wie schon nach dem ersten Elfmeter zunächst allein bejubelte. Erst auf spezielle Aufforderung drehte Robben um und tauschte Umarmungen und Abklatscher mit den Kollegen aus, auch mit Mario Gomez.

Die Partie zwischen dem FC Bayern und Werder Bremen war schon längst über den Berg, als sich diese kleine Episode zutrug. Und doch war sie eine der aussagekräftigsten an diesem Nachmittag, an dem die Bayern sich mit dem 4:1 (1:0) die Tabellenführung zurückeroberten. Für Außenstehende mag es so läppisch ausgesehen haben wie der Streit um ein Förmchen im Sandkasten. Um viel mehr ging es ja auch tatsächlich nicht. Aber das Binnenleben einer Profi-Fußballmannschaft funktioniert manchmal nach kindlichen Mechanismen – nur dass die Folgen weitreichender sind als bei einem Disput im Sandkasten.

Mit der Rückkehr Robbens hat der Kader der Bayern eben nicht nur einen sicheren Elfmeterschützen und gewitzten Torvorbereiter (wie beim 3:1) zurückgewonnen, sondern auch zwischenmenschliches und fußballerisches Konfliktpotential. Es war nicht einmal Gomez, der sich über Robbens Elfmeter-Egotrip beklagte. Aber Franck Ribéry sah sich zu einer Spitze veranlasst: „Wir müssen für alle Spieler denken“, sagte der Franzose aus Mitleid mit Gomez. Bereits vor ein paar Wochen hatte Ribéry angedeutet, dass es nicht immer ganz leicht ist mit Robben: „Arjen ist ein Torjäger, er will bei jeder Gelegenheit treffen. Das kann zu Streit führen.“ Immerhin ergänzte er noch: „Wir lösen das auf dem Spielfeld. Er ist ein Weltklassejunge.“

Anders als etwa bei Gomez fehlt in Robbens fußballerischer DNA das Gen für Mannschaftsdienlichkeit. Deshalb muss er immer wieder daran erinnert werden oder selbst daran denken, was am Sonnabend nicht gelang. Robben nahm für sich aber auch in Anspruch, derzeit in einer psychischen Ausnahmesituation zu stecken. „Ich bin noch lange nicht fit und noch lange nicht da, wo ich sein muss. Für mich ist jetzt eine sehr schwere Zeit. Ich habe noch immer manchmal Schmerzen“, sagte der Niederländer, der mit Schambein- und Leistenproblemen zu kämpfen hat. „Aber heute konnte ich wieder ohne Schmerzen spielen. Das war für mich eine Freude.“

Bayern-Trainer Jupp Heynckes weiß um die Empfindlichkeiten seiner Untergebenen. Deshalb spendete er Robben großzügig Lob: Nach dessen Einwechslung in der 60. Minute habe „die Mannschaft eine klasse Reaktion gezeigt. Man hat gesehen, dass mit ihm einfach noch mehr Potenzial da ist.“ Gerade dieser letzte Satz ist natürlich auch im Kontext der vergangenen Wochen zu sehen, in denen diskutiert wurde, ob Bayern Robben überhaupt noch brauche, wenn man doch zum Beispiel Thomas Müller habe. Diesen Zweifeln kann Robben nicht nur mit starken Leistungen entgegentreten, sondern auch mit einem besseren Sozialverhalten.

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