Sport : Arm in Arm

Die deutsche U21-Auswahl zeigt neue Geschlossenheit

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Vilnius (dpa). Es war zwar nur die erste Hürde auf einem sehr langen Weg. Doch Trainer-Neuling Jürgen Kohler sah bereits nach dem 4:1-Erfolg in Litauen den Zeitpunkt gekommen, seiner U 21-Auswahl das uneingeschränkte Vertrauen auszusprechen. „Diese Mannschaft hat einen besonderen Charakter und einen großen Siegeswillen“, sagte der Ex-Weltmeister und vollzog bereits nach dem ersten Pflichtspiel unter seiner Regie die totale Identifikation mit dem deutschen Fußball-Nachwuchs: „Ich bin stolz, ihr Trainer zu sein.“

Ob der derart große Vertrauensvorschuss gerechtfertigt ist, muss sich erst noch gegen stärkere Gegner erweisen. Unverkennbar ist, dass mit dem Trainer-Wechsel ein frischer Wind in der bedeutendsten Nachwuchsmannschaft des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Einzug gehalten hat. Mit großer Genugtuung registrierte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, dass die Spieler beim Abspielen der Nationalhymne Arm in Arm ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl demonstriert hatten und nach dem Abpfiff gemeinsam noch etliche Stadionrunden drehten. „Da herrscht Disziplin“, beobachtete der DFB-Chef und verband das Lob an Kohlers Führungsstil mit Kritik an dessen Vorgänger Hannes Löhr: „Vielleicht ist darauf in der Vergangenheit weniger Wert gelegt worden.“

Nur Disziplin zählt

Kohler scheint dem Team in seiner jungen Amtszeit bereits das vermittelt zu haben, was er in seiner langen Karriere mit 105 Länderspielen und dem WM-Titel 1990 selbst stets beherzigt hat: Fußball ist in erster Linie Arbeit und Disziplin. Einen Strafenkatalog für kleine und große Vergehen hat er festgelegt, mit dem Ergebnis, dass die Mannschaftskasse voll wie noch nie ist. „Sie nennen ihn ja schon General“, verriet Mayer-Vorfelder schmunzelnd den Titel, den sich Kohler bei den Spielern erworben hat.

Weil Kohler nicht nur redet, sondern jahrelang vorexerziert hat, wie weit man mit Selbstdisziplin bei relativ bescheidenen fußballerischen Mitteln kommen kann, genießt er bei den Jung-Profis eine große Anerkennung. „Kohler und die Mannschaft – das passt“, sagte Stürmer Benjamin Auer. Gerade Spieler wie der 21-Jährige, der in Mönchengladbach wegen überzogener Forderungen in die Schlagzeilen geraten war und nun beim FSV Mainz 05 in der Zweiten Liga gelandet ist, scheinen eine Leitfigur wie Kohler besonders nötig zu haben.

Noch aber stehen Kohler und seine Mannschaft erst am Anfang. In der Qualifikations-Mühle für die Europameisterschaft 2003 und die Olympischen Spiele 2004 in Athen, für die nur drei europäische Startplätze frei sind, warten weitaus stärkere Gegner als die im Durchschnitt zwei Jahre jüngeren und ausnahmslos als Amateure beschäftigten Litauer. Und selbst die baltische Elf hatte das deutsche Team fast eine Halbzeit lang in arge Bedrängnis gebracht, ehe der 0:1-Rückstand aufgeholt und am Ende doch noch ein standesgemäßes Resultat erzielt worden war. Für Jürgen Kohler aber war es dennoch eine Demonstration der Stärke des deutschen Nachwuchses: „Wie die Mannschaft nach dem 0:1 in einer schwierigen Phase an sich gelaubt hat, war beeindruckend und spricht für ihre Klasse.“

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