Armin Veh : Im grauen Anzug zur Meisterschaft?

Armin Veh kann am Samstag mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister werden. Schlaflose Nächte bereitet ihm die Riesenchance auf den Titel nicht. Ein Interview mit dem - möglichen - Meistermacher.

Wie haben Sie in den letzten Tagen geschlafen, Herr Veh?



"Vor Spielen kann ich immer gut schlafen. Ich habe nur ein Problem nach dem Spiel. Von Samstag auf Sonntag kann ich in der Regel nicht gut schlafen."

Sind Sie manchmal nach einem Albtraum, Cottbus könnte den VfB Stuttgart noch um die Meisterschaft bringen, nachts aufgeschreckt?

"Nein, so etwas ist nicht passiert."

Sie sind abergläubisch. Was soll am Samstag noch schief gehen, wenn Sie wie üblich bei Heimspielen im grauen Anzug auf der Bank sitzen?

"Das haben schon mehrere gemacht. Udo Lattek hatte, wenn ich mich richtig erinnere, immer einen blauen Pulli an. Ich habe bei unserem ersten Heimsieg nach zunächst zwei Niederlagen und einem Unentschieden diesen Anzug angehabt. Dann hab ich den natürlich wieder angezogen. Wenn ich den einfach ausziehen würde, wäre das auch ein psychologisches Signal, dass sich was ändern könnte."

Sie haben den VfB praktisch aus dem Nichts in Champions League und Pokalfinale geführt. Wie groß wäre die Enttäuschung, wenn es mit Meisterschaft und Pokalsieg nicht klappen würde?

"Meister zu werden ist für jeden etwas ganz Besonderes. Aber wenn das nicht klappen sollte, dann kann man doch nach so einer Saison nicht enttäuscht sein. Das wäre das Schlimmste, was man machen könnte."

Von einem Ihrer ehemaligen Spieler des SSV Reutlingen ist der Spruch überliefert: "Felix Magath gilt als autoritär, Armin Veh ist es." Wie beschreiben Sie ihr heutiges Verhältnis zu den Spielern?

"Ich habe mich schon in ein paar Punkten geändert, da ich immer analysiere, was gut und was schlecht ist. Wenn heute ein Spieler nicht mit mir auskommt, ist er eigentlich selber schuld. Es ist klar, dass ich als Chef Distanz haben muss, aber auch Nähe. Dieses Zusammenspiel ist notwendig."

Welchen Anteil hat Teammanager Horst Heldt am Aufschwung des VfB?

"Man kann den Anteil nicht beziffern. Es ist wichtig, als Team zu arbeiten. Einzelkämpfer, die Erfolg nur auf sich projizieren, werden keinen haben. Es sind ja auch nicht wir zwei allein, da kommen andere dazu."

Welches sind die entscheidenden Faktoren für diesen Erfolg?

"Die Mannschaft hat relativ schnell zusammengefunden. Unsere Personalpolitik war erfolgreich. Das alleine ist es aber natürlich nicht. Aber was heißt Erfolg? Wenn Sie mit Stuttgart Meister werden, ist das etwas anderes als mit Bayern oder Schalke."

Genießen Sie es, dass seit Monaten Lobeshymnen auf Sie hernieder prasseln?

"Es wäre nicht menschlich, wenn ich mich über positive Kritik nicht freuen würde. Für mich ist aber entscheidend, dass ich meinen Job so gut wie möglich mache. Dann bin ich mit mir im Reinen."

Haben Sie es vor Saisonbeginn für möglich gehalten, das Double schaffen zu können?

"Nein. Wir haben extra kein Saisonziel ausgegeben, da wir eine komplett neue Mannschaft hatten, die zudem die jüngste der Liga ist. Da kann man nicht so vermessen sein und sagen: Wir wollen um die Meisterschaft spielen. Wenn man dann aber acht Spieltage vor Schluss oben dabei ist und konstante Leistungen bringt, dann setzt man sich natürlich Ziele, die man sich so am Anfang nicht gesetzt hätte. Fakt ist, dass wir im direkten Vergleich der Spitzenteams mit zwölf Punkten mehr als Schalke (10), Bayern (8) und Bremen (4) geholt haben. Wer nach dem 34. Spieltag vorne steht, hat es verdient. Wenn Schalke oben stehen sollte, dann würde ich meinem Kollegen Slomka, den ich sehr schätze, auch gratulieren und nicht verbittert sein."

Warum waren Sie bei der Benennung von Zielen so zurückhaltend?

"Das steht uns nicht zu. Wenn Bayern München sagt, sie wollen Deutscher Meister werden, ist das berechtigt. Bei uns ist es angebracht, kleinere Brötchen zu backen."

Der VfB-Aufsichtsratsvorsitzende Dieter Hundt hatte Sie einen Tag nach Ihrer Verpflichtung im Februar 2006 als "Übergangslösung" abqualifiziert ...

"Ganz ehrlich: ich verspüre keinerlei Genugtuung. Ich habe nicht so einen Charakter."

Können Sie sich vorstellen, nun in Stuttgart ein Dauerbrenner zu werden wie einst Otto Rehhagel in Bremen?

"Nein, im Moment nicht. Ich habe im Winter ein Jahr verlängert. Es hätte mehr sein können, aber das wollte ich nicht. In unserem Geschäft verdient man sehr viel Geld. Deshalb ist es korrekt, Einjahresverträge abzuschließen. Wenn wir nächste Saison wieder erfolgreich sein sollten, was ich glaube und hoffe, können wir wieder verlängern. Ich bin dagegen, Dreijahresverträge abzuschließen, um dann genügend Abfindung zu bekommen."

Wann hatten Sie das letzte Mal Zeit, ein Buch zu lesen, ins Kino zu gehen oder einen kleinen Ausflug zu machen?

"So was bleibt während der Saison auf der Strecke. Dazu kam ich letztmals im Winterurlaub."

Sind Sie froh, wenn der ganze Rummel endlich vorbei ist?

"Mir macht mein Job unheimlich viel Spaß, auch wenn es manchmal schwierig wird. Mich hat ja niemand dazu gezwungen."

(Interview: Elmar Dreher und Marc Zeilhofer, dpa) ()

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