Sport : Armstrong besucht den Giro

Tour-Sieger würdigt einstigen Gegner Pantani

Vincenzo Delle Donne

Cesenatico - Ravenna gilt als italienischer Vorposten der byzantinischen Kunst und wird als der Ort verehrt, in dem die Überreste des Nationaldichters Dante Alighieri begraben liegen. Doch wenn die Profis beim Giro d’Italia hier vorbeifahren, dann denken derzeit sehr viele an den unvergessenen Marco Pantani, der im Februar 2004 verstorben ist. Cesenatico bei Ravenna, der Ort des ersten Ruhetages beim diesjährigen Giro, wurde von den Organisatoren mit Bedacht ausgewählt. Hier hatte für den Kletterspezialisten mit den abstehenden Ohren der Aufstieg zum Weltstar begonnen. Einstige Kollegen nutzten die Chance, sein Grab zu besuchen. Zu ihnen zählte Gilberto Simoni. „Ich war heute dort“, sagt der Italiener, „mit mir waren da auch viele ausländische Besucher. Das zeigt, wie beliebt Marco noch ist.“ Die Pantani-Stiftung, die seine Familie ins Leben rief, veranstaltete zum Gedenken ein Radrennen für Kinder, das die 12-jährige Pantani-Nichte Serena Boschetti gewann.

Zufall oder nicht: Lance Armstrongs Discovery Channel Team bezog ebenfalls in Cesenatico Quartier, im Hotel Admiral. Kein Zufall war es aber, dass Lance Armstrong gerade an diesem Ort sein Team aufsuchte, das ohne ihn den Giro fährt. Der texanische Ausnahmeathlet kam aus einem Trainingslager, in dem er sich intensiv auf seine letzte Tourde-France-Teilnahme vorbereitet. Auch Armstrongs Gedanken galten Pantani: „Ich werde nie vergessen, wie geschockt ich war, als man mir mitteilte, dass Marco tot sei.“

Der Abstecher nach Cesenatico war auch für Paolo Savoldelli als Ansporn gedacht, dem derzeit Drittplatzierten. „Paolo geht es blendend“, sagt Armstrong zum Kapitän seines Teams, der diesmal die Rolle von Armstrong übernommen hat. Eine kurze Zeit lang hatte Armstrong erwogen, selbst beim Giro mitzufahren, dann entschied er sich anders. Vor allem erschien ihm der Giro d’Italia nicht die angemessene Bühne für seinen Abgang vom Profi-Radsport. An beiden Rennen teilzunehmen, um so wie zuletzt Pantani den Giro- und den Tour-Sieg zu schaffen, reizte ihn nicht.

Großen Respekt zollte Armstrong in diesen Tagen Ivan Basso, der sein Favorit auf den Giro-Gesamtsieg ist. Basso lieferte beim ersten Zeitfahren von Lamporecchio nach Florenz eine grandiose Vorstellung ab. „Wenn er in den Bergen so stark ist wie bei der Tour de France im vergangenen Jahr, dann wird es sehr schwierig sein, ihn zu besiegen“, sagt Armstrong.

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