Armstrong-Comeback : "Wenn er wirklich antritt, gewinnt er auch"

Jörg Jaksche, der seine eigene Karriere nach Dopingvorwürfen beenden musste, ist von Lance Armstrongs Comeback-Plänen aus allen Wolken gefallen, traut dem "Tourminator" aber viel zu.

Interview von Lars Spannagel
Armstrong
Greift wieder an. Lance Armstrong. -Foto: dpa

Herr Jaksche, was war Ihr erster Gedanke, als Sie von Lance Armstrongs Comeback-Plänen erfahren haben?



Ich habe so reagiert, wie wohl jeder andere auch: Ich war schon sehr überrascht. Aber wenn Lance das macht, ist er anscheinend fit genug. Er leidet nicht an Größenwahn und kann gut einschätzen, was er kann. Er wird sich sicher nicht zur Lachnummer machen.

Armstrong wird jetzt mit dem Team Astana von Andreas Klöden und Alberto Contador in Verbindung gebracht, das in diesem Sommer wegen Dopingverdachts von der Tour de France ausgeschlossen war.

Ich denke nicht, dass Lance wirklich zu Astana geht. Das Team Columbia halte ich für realistischer.

Wieso?

Lance will sicher nicht für eine Mannschaft fahren, bei der andere Tour-Favoriten unter Vertrag stehen – wie Alberto Contador bei Astana. Er will ja gegen die Fahrer antreten, die nach seinem Rücktritt die Tour und den Radsport bestimmt haben.

In der Vorbereitung will Armstrong alle seine medizinischen Daten offenlegen und eng mit der amerikanischen Anti-Doping-Agentur zusammenarbeiten. Wird er sauber sein, wenn er im kommenden Sommer an den Start geht?

Ich denke schon. Er wird sich allen Regeln der Veranstalter unterwerfen. Aber mir steht es nicht zu, jetzt ein Urteil darüber zu fällen.

Rein sportlich gesehen: Wie schätzen Sie Armstrongs Chancen ein, tatsächlich zum achten Mal die Tour de France zu gewinnen?

Ich bin mir sicher: Wenn Lance tatsächlich zurückkommt, gewinnt er auch. Er wird nicht mitmachen, um einfach nur dabei zu sein. Sondern um zu siegen.

Wie wird das Fahrerfeld reagieren, wenn Armstrong an der Startlinie steht?

Alle im Feld respektieren Lance, sie werden ihn gut aufnehmen. Ich glaube nicht, dass es da ein Problem gibt.

Sie haben Doping gestanden, daraufhin bekamen Sie keinen Vertrag mehr bei einem Profirennstall und mussten ihre Karriere beenden. Ist es jetzt bitter für Sie, dass gerade Lance Armstrong vom Radsport mit offenen Armen aufgenommen wird?

Eigentlich nicht. Ich kümmere mich nur um meine eigene Situation und vergleiche mich nicht mit Lance. In meiner Lage sind die Fakten eben so, dass ich wohl nicht zurückkommen kann.

Was heißt es für die Bemühungen um einen neuen, sauberen Radsport, wenn Armstrong wieder mitfährt?

Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. So weit ich weiß, ist Lance nie positiv getestet worden, kein Gericht hat ihn verurteilt. So lange gilt die Unschuldsvermutung. Auch für mich.

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