Sport : Arne Friedrich

Wie Herthas Kapitän das Spiel gegen Köln erlebte

Ingo Schmidt-Tychsen

Nachdem jeder im Team jeden abgeklatscht hat, gibt es noch eine vorsichtig dosierte Portion Motivation vom Kapitän dazu. Arne Friedrich klatscht kurz vor dem Anpfiff des Bundesligaspiels gegen den 1. FC Köln drei Mal in die Hände, ganz zaghaft. Seine Geste findet kaum Beachtung. Ein Zeichen von Verunsicherung? Nein. Friedrich ist einfach keiner, der durch Lautstärke auffällt. Dem 26-Jährigen ist am Anfang dieses Nachmittags nicht anzumerken, dass er noch am Mittwoch im Mittelpunkt eines Debakels der deutschen Nationalmannschaft stand, die 1:4 gegen Italien verloren hatte.

Gegen Köln ist er gleich zu Beginn hellwach. In der zweiten Minute gewinnt er ein Laufduell mit seinem Gegenspieler Marco Streller, in der siebten Minute leitet er mit einem cleveren Pass auf Kevin-Prince Boatang einen Angriff der Berliner ein. Kurz darauf passiert ihm der erste von zwei Fehlern in der ersten Halbzeit: Friedrich bleibt stehen, um Streller ins Abseits laufen zu lassen, der Angreifer rennt allein auf Torwart Christian Fiedler zu – dann pfeift der Schiedsrichter. Abseits. Eine Fehlentscheidung.

Es folgt die beste Phase des Spiels für Friedrich, der gemeinsam mit Christopher Samba die Innenverteidigung bilden muss, weil die im Normalfall zuständigen Simunic, van Burik und Madlung ausfallen. Friedrich spielt bis kurz vor dem Pausenpfiff stark auf seiner Position, gewinnt nahezu jedes Duell mit Podolski oder Streller. Bis zur 43. Minute: Friedrich will einen Pass auf Streller erlaufen, tritt aber am Ball vorbei. Der Kapitän hat Glück – Kölns Angreifer vergibt die Chance.

Die zweite Halbzeit beginnt schlecht für Friedrich. Nach gut sieben Minuten dreht sich Podolski auf Höhe des Fünfmeterraums um ihn herum und schiebt den Ball zum 1:0 ins Tor. Friedrich will seine Mitspieler danach aufmuntern. Dazu klatscht er drei Mal in die Hände, ganz zaghaft. Beim 0:2 ist Friedrich machtlos. Danach fällt ihm nichts mehr ein, nicht einmal mehr eine aufmunternde Geste.

Dafür ist er nach dem 1:2 durch Marko Pantelic der auffälligste Gratulant. Pantelic läuft über den gesamten Platz, um sich bei Friedrich ein Lob abzuholen. Kurz darauf fällt das 1:3, Friedrich ist daran nicht beteiligt. Mit gesenktem Kopf trabt er zurück auf seine Position. Auch nach dem erneuten Anschlusstor nimmt Friedrich das Haupt nicht mehr hoch. Anscheinend ahnt er, was noch kommen wird.

Beim vierten Gegentreffer gibt Friedrich ein symbolträchtiges Bild ab. Als Kölns Podolski den Ball quer auf Scherz passt, rutscht Friedrich dazwischen – vergeblich. Scherz schiebt den Ball unbedrängt ins Netz. Herthas Kapitän guckt sich das nicht einmal mehr an. Er sitzt auf der Torlinie, zieht sich die Stutzen hoch und schimpft. „Wir standen hinten zu offen, das war desolat“, sagt Friedrich, bevor er in die Kabine verschwindet. Seine Augen sind gerötet, sein Blick schweift ab. Die dreizehn sieglosen Spiele seiner Mannschaft und Deutschlands Debakel vom Mittwoch sind Arne Friedrich jetzt anzusehen.

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