Sport : Arne Friedrich

Wie Herthas Kapitän gegen den HSV spielte

Ingo Schmidt-Tychsen

Nach genau sechzig Sekunden ist Arne Friedrich im Spiel angekommen. Ein langer Pass aus dem Mittelfeld zwingt ihn zum Laufduell mit Hamburgs Brasilianer Ailton. Friedrich gewinnt. Wie so häufig an diesem Nachmittag. Der Nationalspieler darf auf der rechten Außenbahn spielen, das ist seine Lieblingsposition. Am Dienstag gegen Bayer Leverkusen musste Friedrich sich als Innenverteidiger versuchen, er machte vieles falsch. In der zehnten Minute tut der 27-Jährige das einzig Richtige: Nach dem Gegentor durch Piotr Trochowski holt er den Ball aus dem Netz und trägt ihn schnell zurück zur Mittellinie. Friedrich ist heiß.

In der zwölften Minute nimmt er Ailton den Ball am eigenen Strafraum vom Fuß, anschließend dreht Friedrich sich um und leitet den Gegenangriff ein. Kurz darauf köpft Herthas Gilberto den Ball exakt in den Lauf von Hamburgs Benni Lauth, der ein Tor erzielt. Friedrich rennt über den halben Platz, um Gilberto zu trösten. Er nimmt ihn in den Arm und tätschelt seinen Kopf. Gilberto wendet sich ab, aber Friedrich lässt nicht locker, herzt ihn noch einmal und noch einmal.

Weil Hertha nun zurückliegt, schaltet sich Friedrich häufiger in die Offensive ein. Er flankt auf Pantelic, dessen Kopfball am Pfosten landet, sein darauf folgender Pass fliegt allerdings ins Seitenaus.

Die zweite Halbzeit beginnt für Friedrich ähnlich wie die erste – er gewinnt einen Zweikampf gegen Ailton, weil er den Passweg antizipiert hat. Friedrichs Stellungsspiel ist gut, er bringt dadurch Ruhe in Herthas Hintermannschaft. Auch beim Ausgleich ist Friedrich ruhig, selbst als die Berliner 3:2 in Führung gehen, zeigt er kaum Emotionen. Als dann allerdings das 4:2 fällt, brechen alle Dämme: Friedrich freut sich zuerst mit Alexander Madlung, dann werden alle Mitspieler in einem Radius von etwa vierzig Metern abgeklatscht und umarmt.

Nach dem Abpfiff holt sich Friedrich sofort etwas zu trinken – bloß nicht dehydrieren. Anschließend gibt er Interviews, ganz sachlich, genau wie sein Spiel. „Wir haben heute eine Riesenmoral bewiesen“, sagt er.

Gut vier Wochen vor der Weltmeisterschaft ist der Nationalverteidiger in guter Verfassung.

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