"Arrogant und hochnäsig" : Leichtathletik-Cheftrainer attackiert Innenministerium

Leichtathletik-Cheftrainer Jürgen Mallow hat eine Verdopplung der Fördermittel für die olympische Kernsportart gefordert und zugleich das für Sport zuständige Innenministerium ungewöhnlich scharf kritisiert.

Peking 2008 - Deutsches Haus - Schäuble
Nur eine Medaille bislang. Speerwerferin Christina Obergföll mit Innen- und Sportminister Wolfgang Schäuble.Foto: dpa

„Irgendwann ist der Geduldsfaden gerissen, weil die so arrogant und hochnäsig mit uns umgehen. Die wollen immer mehr Medaillen, und was tun sie dafür? Nichts, nichts, nichts!“, sagte der Leitende Bundestrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) am Samstag vor Journalisten in Peking.

Für das Olympia-Jahr kenne er noch nicht mal seinen Etat, meinte Mallow, für 2009 mit der WM in Berlin als Höhepunkt hofft er auf einen Betrag von fünf Millionen Euro. „Erforderlich wäre aber das Doppelte, dann könnten wir auch mehr für Nachwuchsförderung und Talentsuche tun“, sagte Mallow, der nach dem unbefriedigenden Abschneiden bei den Olympischen Spielen 2004 (zweimal Silber) die Verantwortung als Chef-Bundestrainer übernommen hatte.

Bei der WM 2007 in Osaka gab es mit sieben Medaillen einen spürbaren Aufwärtstrend. In Peking wurde bis zum Schlusswochenende nur eine Bronzemedaille durch Speerwerferin Christina Obergföll gewonnen. „Vielleicht muss man erst mal ganz unten sein, und vielleicht ist ganz gut, dass wir hier nicht so gut wie in Osaka abgeschnitten haben“, sagte Mallow.

"Wie ein zahnloser Tiger"

Haupthindernisse für eine mittelfristige Förderung der Leichtathletik in Deutschland sind nach Meinung Mallows die Bürokratie und die unlogische Förder-Philosophie: Für schlechtes Abschneiden werde man bestraft, statt gegenzusteuern und die Mittel aufzustocken. Im Gegensatz zu den konkurrierenden Nationen werde der DLV durch das deutsche Sportfördersystem „massiv benachteiligt“. Mallow: „In vielem sind wir da wie ein zahnloser Tiger. Unsere Hauptkonkurrenten, die Nationen auf den Plätzen vier bis zehn, werden alle erheblich besser gefördert.“

Mit Blick auf die „ab 2004 völlig unzureichende“ Förderung forderte DLV-Vizepräsident Eike Emrich einen „Sondertopf“, wenn man will, dass die Leichtathletik wieder auf die Beine kommt.“ Die Mittel 2004 zu kürzen statt sie zu erhöhen, sei „ein dramatischer Fehler“ gewesen. „Man erwartet von uns viele Medaillen, stattet uns materiell aber so aus, dass einfach nicht mehr kommen kann“, sagte der Soziologie-Professor aus Saarbrücken. (dpa)

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