Sport : Arrogante Angestellte

Eisbären-Trainer Pagé ärgert sich über seine Mannschaft

Claus Vetter

Berlin. Pierre Pagé tobte. Nicht nur innerlich. „Eine arrogante Mannschaft“ hatte „wegen arroganter Fehler“ verloren, sagte der Trainer des EHC Eisbären. Dann hielt er noch ein Kurzreferat über Eishockeyspieler, für „die das Geldverdienen nicht ihre Motivation ist“. Angesichts der Tatsache, dass die Berliner am Freitag im Sportforum gegen die Nürnberg Ice Tigers 1:4 verloren hatten, war nicht schwer zu erraten, auf welcher Seite nach Meinung von Pagé die Spieler gespielt hatten, die nicht dem Mammon verfallen sind: beim Sieger.

Sicherlich, das war übertrieben. Amateure haben sie bei den Ice Tigers ja nun auch nicht. Bei den Berlinern wurde nach der ersten Heimniederlage in dieser Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) von ihrem Trainer eben so einiges in Frage gestellt. Das an sich ist nach einer Niederlage im Sport nicht ungewöhnlich, im Falle von Pagé muss es aber überraschen: Sein Team steht immer noch blendend da. Gewinnen die Berliner ihr Nachholspiel, dann sind sie Tabellenführer.

Natürlich, es lief vieles zu leicht in den vergangenen Wochen bei den Berlinern. Dies hatten die Franken erkannt. Sie schlugen die Eisbären mit deren Mitteln, spielten aggressiv und mit hohem Tempo. Nach der zweiten Saisonniederlage gegen die Ice Tigers stellte Pagé frustriert fest: „Die Nürnberger sind besser als wir, jedenfalls im Moment.“ Ob sie es auch im entscheidenden Moment sind? Niemand wünscht sich bei den Eisbären eine Parallele zur Vorsaison. Da wurden die Berliner, nachdem sie die Liga monatelang dominiert hatten, im Halbfinale vom Außenseiter Krefeld demontiert.

Bis zu den Play-offs dauert es allerdings noch einige Monate. Nach ihrem verkorksten Auftritt vom Freitag bekamen die Berliner ein paar Tage frei, mancher hatte nichts davon: Stürmer David Roberts zog sich gegen Nürnberg eine Blessur am Auge zu, einen Kurztrip nach Rom musste er absagen. Trotzdem will Roberts am Wochenende beim Deutschland-Cup für die USA antreten. „Es ist doch eine Ehre, wenn man für sein Land spielen darf“, sagt er. Während bei manchem DEL- Klub gerade die Nordamerikaner mit der abgeschlossenen Planung eines Kurzurlaubs der drohenden Nominierung für ihre Auswahl zuvorgekommen sind, hat bei den Eisbären nur Mark Beaufait dem Team USA abgesagt. Insofern könnte sich Pagé, in Hannover als Kotrainer Kanadas aktiv, doch freuen. Tatenlos sind die meisten seiner Spieler in der bis zum 13. November währenden DEL- Pause nicht: Acht spielen beim Deutschland- Cup, verteilt auf die Mannschaften Kanadas, Deutschlands und der USA. Dazu sind noch vier Spieler in Norwegen mit der U-20-Nationalmannschaft unterwegs.

In Hannover wird auch ein Spieler auflaufen, an dessen Verpflichtung die Eisbären interessiert sind: Stefan Ustorf. Der Kapitän der Nationalmannschaft wurde von den Mannheimer Adlern suspendiert. Auch die Hamburg Freezers haben schon mit dem Stürmer gesprochen. Pierre Pagé mag das Thema Ustorf aber nicht. „Mit dem Ustorf hätten wir Freitag auch nicht gewonnen.“ Dann fügt er hinzu, dass er Spieler will, „die noch Träume haben“. Und damit meint der Berliner Trainer wohl nicht diejenigen, die von einem vollen Bankkonto träumen.

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