Sport : Arroganz verliert

Claus Vetter

Cindy Klassen hat am Mittwoch im Eisschnelllauf in Turin über 1500 Meter triumphiert – für Kanada. Doch Klassen hat Gold in der falschen Sportart gewonnen, so sah es jedenfalls die „Toronto Sun“. Die fragte nämlich in einer Überschrift nach, ob Klassen Eishockey spielen kann. „Denn Team Canada kann es nicht.“ Eishockey ist in Kanada Volkssport; die Kanadier pochen darauf, den Sport erfunden zu haben. Insofern verwundert es nicht, dass für viele Kanadier nun der größte anzunehmende sportliche Unfall passiert ist. Das kanadische Team der Millionäre – Gesamtverdienst in dieser Saison 100 Millionen US-Dollar – hat nicht einmal das olympische Viertelfinale überlebt.

Das Scheitern der Profiauswahl und ihres Managers Wayne Gretzky ist eine Niederlage des nordamerikanischen Eishockeys, die durch das Ausscheiden der USA noch bitterer wird. Zu arrogant war Gretzky, als er glaubte, sich mit einem Team alternder Stars in Turin mal schnell die Goldmedaille abholen zu können.

Doch im Vorbeigehen können die nordamerikanischen Nationen nicht mehr Gold unter sich ausmachen – so wie das noch 2002 möglich war. Europa hat aufgeholt, erst recht in der ein Jahr langen Spielpause der National Hockey League (NHL). Das Scheitern Nordamerikas bei den Spielen in Turin ist allerdings keine Niederlage für die Liga der Großverdiener, sondern für die Länder, in denen sie stattfindet – Kanada und den USA. Denn viele Europäer spielen inzwischen in der NHL, besser als viele Nordamerikaner. Der bestbezahlte Spieler ist Jaromir Jagr – ein Tscheche.

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