Arsenal gegen Manchester : Der Klassiker ist zurück

Manchester United und der FC Arsenal begegnen sich wieder auf Augenhöhe. Es ist lange her, dass Arsenal dem Rivalen einen Titel wegschnappen konnte.

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Seitenwechsel: Manchesters Robin van Persie und die Arsenal-Fans. Foto: Imago
Seitenwechsel: Manchesters Robin van Persie und die Arsenal-Fans.Foto: Imago

Es war im August 2011, als die englische Fußballwelt erkennen musste, dass Arsenal kein Rivale mehr für Manchester United ist. An einem schönen Nachmittag im berühmten Stadion von Manchester, in Old Trafford, bekam für das Team von Arsène Wenger das Wort Demütigung eine neue Bedeutung. 2:8 gegen United – schon im August war alle Hoffnung auf den Titelkampf dahin.

Nach dem Spiel lobte Alex Ferguson seinen Trainerrivalen Wenger. Dessen Philosophietreue sei erstaunlich gewesen, er habe eine überragende Arbeit bei Arsenal gemacht, sagte Ferguson. Wenn man als Rivale respektvolle Worte von Ferguson bekommt, ist es die größtmögliche Erniedrigung. Der einzigartige Erfolg dieses Mannes basierte immer auf seiner Liebe zum verbalen Konflikt. Als er keinen Grund mehr sah, Arsenal und seinen Trainer zu kritisieren, wussten alle, dass er den Klub nicht mehr als Herausforderer sieht. Die Szene hatte sich ja auch verändert, sechs Jahre zuvor hatte es nur zwei Klubs an der Spitze des englischen Fußballs gegeben: Duelle zwischen United und Arsenal waren immer der Höhepunkt einer Saison. In einer Ära, in der Ferguson alles zu gewinnen schien, konnte nur Arsenal ihm mal einen Titel wegschnappen.

Es war Sylvain Wiltord, der 2002 das Siegtor in Old Trafford schoss und damit das Double für Arsenal sicherte. Damals sprach Wenger von einer Wachablösung, und er hatte für kurze Zeit Recht. Zwei Jahre später schaffte er das, was Ferguson nie schaffen konnte: eine ganze Ligasaison ohne Niederlage zu bleiben. Nur Manchester United konnte diese Erfolgsserie beenden. Beide Teams wussten das. Deswegen hat Martin Keown so tierisch ins Gesicht von Ruud van Nistelrooy geschrien, als der Holländer einen späten Elfmeter gegen Arsenal im Jahr 2004 verschoss, und damit die Möglichkeit verpasste, Arsenal zu schlagen. Deswegen sprach Uniteds Star Wayne Rooney vom „größten Druck meiner Karriere” vor dem Spiel gegen die Londoner im Oktober 2004, in dem Arsenal endlich wieder einmal verlor. Nach diesem Spiel gab es keine Lobhudeleien zwischen den beiden Trainern. Wenger schimpfte: „Ruud van Nistelrooy sieht aus wie ein netter Junge, auf dem Platz macht er trotzdem Schwalben. Das müsste bestraft werden.” Und es blieb nicht bei Worten. Während einer Rangelei zwischen Arsenal-Profi Patrick Vieira und van Nistelrooy vor den Kabinen wurde Sir Alex Ferguson von einem Stück Pizza getroffen. Arsenals Spieler Cesc Fabregas soll es angeblich geworfen haben. Es dauerte Jahre, bis Wenger und Ferguson wieder miteinander redeten.

Während United nach dem Eklat von 2004 immer mehr Titel gewann, wurde Arsenal zum Klub der zweiten Reihe. In der Champions League waren die Londoner immer dabei, im Titelkampf sind sie es seit Jahren nicht mehr. Doch nun am Sonntag sind die Voraussetzungen für eine weitere Wachablösung geschaffen. Die beiden Teams treffen sich zum ersten Mal seit Fergusons Rücktritt im Old Trafford. Arsenal ist mit fünf Punkten Vorsprung Spitzenreiter in der Premier League. Der schöne Fußball, den Ferguson damals so lobte, bringt nun auch Ergebnisse. United fällt es derweil schwer, mit dem Rücktritt der Legende Ferguson umzugehen.

Es sieht aus, als ob beide Teams wieder auf einem Niveau sind und um denselben Titel kämpfen. Das beste Derby des modernen englischen Fußballs kann seine Wiedergeburt feiern.

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