Arsenals 2:8 bei ManU : Eine biblische Niederlage

Der FC Arsenal kassiert beim der 2:8-Niederlage gegen Manchester United so viele Tore wie seit 115 Jahren nicht mehr.

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Mitleid ist schlimmer als Spott. Manchesters Trainer Ferguson sagte, noch mehr Tore habe er nicht gewollt. Hier überspringt Smalling (o.) Arsenals Chamakh.
Mitleid ist schlimmer als Spott. Manchesters Trainer Ferguson sagte, noch mehr Tore habe er nicht gewollt. Hier überspringt...Foto: dpa

Arsène Wenger leistete noch ein bisschen Widerstand gegen die erdrückende Macht des Faktischen. „Das war gar kein 2:8-Spiel, wir hatten einige gute Passagen“, sagte der Franzose. Acht Gegentore hatte Arsenal seit einem 0:8 gegen den FC Loughborough im Jahre 1896 nicht mehr kassiert. Doch dann bahnte sich die Schwermut ihren Weg. „Schmerzhaft, erniedrigend und demütigend“ sei der Nachmittag im Old Trafford gewesen, gab der Franzose zu. Wengers Intimfeind, Alex Ferguson, servierte sie, hübsch verpackt, unter der Haube des Mitleids. „Wir haben heute fantastische Treffer erzielt und hätten mehr machen können“, sagte der Trainer des klaren Siegers Manchester United. „Aber gegen so ein geschwächtes Team will man ja nicht mehr Tore machen.“

Arsenal, einst gefürchteter Rivale der Roten aus Manchester, taugt mit anderen Worten nicht mal mehr zum Sparringspartner. Ein solches Ungleichgewicht hatte sich vor Anpfiff bereits angedeutet, auch wenn das Ausmaß des Debakels nicht abzusehen war. Wenger musste acht Stammkräfte ersetzen und Namen wie Francis Coquelin (20 Jahre) und Armand Traoré (21) auf den Spielberichtsbogen schreiben, auf der Bank saßen Oguzhan Ozyakup (18) und Gilles Sunu (20), die ebenfalls nur Insidern ein Begriff sein dürften. Junge Spieler hatte United auch in seinen Reihen – und zwar so viele, dass der Altersdurchschnitt bei den Gastgebern sogar eine paar Dezimalstellen unter dem der Londoner (23,6 Jahre) lag. Doch im Gegensatz zu Wenger, der nach dem Abgang von Kapitän Cesc Fàbregas (Barcelona) und Samir Nasri (Manchester City) die letzten Pfeiler in seinem schon seit längerem wackelnden Bau verloren hat, kann Ferguson Nachwuchstalente wie Stürmer Danny Welbeck (20), Verteidiger Phil Jones (19) oder Mittelfeldspieler Tom Cleverly (22) behutsam in funktionierende Strukturen einbinden.

Bis die von den wenigen etablierten Kräften wie Andrei Arschawin oder Robin van Persie alleingelassenen Londoner mit ihren Mitspielern Bekanntschaft gemacht hatten, hatte United die Partie entschieden. Erst die Zeitlupe ließ die irritierendste Szene aus Arsenals Sicht erkennen. Tomas Rosicky, der erfahrenste Mann in Dunkelblau, drehte sich nach Wayne Rooneys Freistoß nicht mal um, um dessen Flugbahn zu verfolgen. Vielleicht wusste der Tscheche, dass der Ball zum 3:0 einschlagen würde, vielleicht war es ihm egal. In der zweiten Hälfte fügte man sich gänzlich dem Schicksal. „Wir waren körperlich am Ende“, sagte Wenger über sein Nicht-Team. Mit einem Punkt steht Arsenal auf Platz 17 der Tabelle.

Nach dem Schlusspfiff musste der neue Kapitän van Persie etliche Kollegen aus dem Spielertunnel zurück in die Gästekurve zerren, wo wenigstens die mitgereisten Fans nie aufgegeben hatten. „Arsenal war unglaublich peinlich, eine Beleidigung für das Trikot“, schrieb der seriöse „Daily Telegraph“; „keine Leistung, sondern einen Hilfeschrei“ hatte der „Independent“ erlebt. Die „Times“ fühlte sich gar an einen biblischen Präzedenzfall erinnert. „Rooney führt das Massaker der Unschuldigen an“, schrieb das Blatt. Wenger musste sich fragen lassen, ob er als Nächstes dran glauben müsse, aber der Elsässer bat um Zeit und Vertrauen. „Wir haben das Geld für Verstärkungen, falls wir die richtigen Spieler finden können“, sagte Wenger. „Es sind erst drei Spieltage gespielt und es ist zu früh, um zu sagen, dass ich völlig falsch liege.“

Die Hoffnungen der Fans, dass der Trainer die dringlichst benötigten Defensivspezialisten bis zum Ablauf der Transferperiode am Donnerstag holt, sind nicht mehr allzu groß. Am Sonntag gab Wenger bekannt, dass man sich wahrscheinlich mit Chu-Young Park (AS Monaco) einig werde. Der Mann ist schon 26 Jahre alt, allerdings von Beruf Stürmer.

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