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Ein Sprint vom Start ins Ziel

Ein autobiografischer Roman über den Radsport
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„Das Rennen“ beginnt mit einem Sprint, ohne langes Abwarten, ohne Taktieren, es geht gleich zur Sache: „Meyrueis, Lozère, 26. Juni 1977. Warm, bewölkter Himmel. Ich nehme meine Sachen aus dem Auto und setze mein Fahrrad zusammen. Von Straßencafés aus schauen Touristen und Einwohner zu. Nicht-Rennfahrer. Die Leere in ihrem Leben schockiert mich.“ Ende erster Absatz.

Tim Krabbé ist Schriftsteller aus Amsterdam und Radrennfahrer. „Ich und Radsport, das war natürlich nur ein Scherz“, schreibt er. Angefangen hat er mit 30, und jetzt, mit 34, steht er vor dem Höhepunkt seiner Karriere, der Mont-Aigoual-Rundfahrt, einem Rennen für Amateure, 137 Kilometer lang, vier Berge, darunter der Mont Aigoual, mit 1567 Metern der höchste der Cevennen. „Das Rennen“ ist in erster Linie eine autobiografische Schilderung dieser Rundfahrt, ein innerer Monolog, strukturiert durch die Kilometer, die Krabbé auf dem Rad zurücklegt. In Wirklichkeit ist es ein Roman über das Wesen des Radsports im Besonderen und des Sports im Allgemeinen: „Wer ein guter Verlierer sein kann, sollte vom Sport ausgeschlossen sein.“ Krabbé schreibt so zielstrebig, wie es die Sprinter kurz vor der Ziellinie sind: „Mein Gehirn macht Anstalten, sich wurstartig aus meinen Ohren zu stülpen.“ Der Fahrer, der nur den Windschatten sucht und sich der Führungsarbeit verweigert, ist ein „Hinterradlutscher“.

In den Niederlanden, Krabbés Heimat, ist „Das Rennen“ schon 1978 erschienen, aber selbst 28 Jahre bis zur deutschen Erstveröffentlichung haben dem Buch nichts von seiner Gültigkeit genommen. Bei Krabbé erfährt der Leser mehr über den Radsport, über seine Historie, die Taktik und die Psychologie der Fahrer als an einem ganzen Tag öffentlich-rechtlicher Fernsehberichterstattung über die Tour de France.









— Tim Krabbé: Das Rennen. Mit einem Nachwort von Rainer Moritz. Reclam Leipzig. 168 Seiten, 12,90 Euro.
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