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Acht Tore gegen den Rekordmeister

Vor 14 020 Zuschauern an der Alten Försterei bleibt Union beim Sieg über den BFC Dynamo ohne Gegentor
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Berlin - Spielen sie? Oder spielen sie nicht? Das war um die Mittagszeit die meistgestellte Frage rund um das Stadion an der Alten Försterei. Aufregung hatten kurzfristige und sehr ernsthafte Überlegungen des BFC Dynamo gestiftet, zum Derby in der Fußball-Oberliga beim 1. FC Union nicht antreten zu wollen. Grund: In der Nacht zum Sonntag waren 150 bis 200 Dynamo-Sympathisanten, die in einer Diskothek in der Frankfurter Allee als geschlossene Gesellschaft feierten, von der Polizei in Gewahrsam genommen worden, Dynamo-Verantwortliche stuften das als „polizeiliche Willkür“ ein. Nach langen Beratungen entschloss sich der BFC eine Stunde vor Spielbeginn, die Mannschaft auf den Rasen zu schicken. Den letzten Ausschlag hatte wohl eine Abstimmung unter den BFC-Spielern gegeben, die sich mit knapper Mehrheit für das Antreten entschieden hatten.

Unter dem Wirrwarr im Vorfeld litt offenbar die Konzentration auf das Wesentliche, den Fußball. Der 1. FC Union hatte jedenfalls wenig Mühe, sich mit 8:0 (2:0) durchzusetzen. Benyamina (3), Mattuschka und Grubert (je 2) und Heinrich erzielten die Tore. Nicht nur die drei Punkte erfreuten die Köpenicker, zudem brachten 14 020 Zuschauer, darunter 3000 Dynamo-Fans, eine stattliche, für Oberligaverhältnisse ungewöhnliche Einnahme von geschätzt 80 000 Euro brutto. Kalkuliert hat Union im Etat mit 3000 Zuschauern im Durchschnitt.

Dass die Fanlager beider Vereine ihre Feindschaft aus DDR-Zeiten bis heute konserviert haben, darauf wiesen schon die vielen Transparente hin, die vor allem im Bereich des Union-Anhangs immer wieder in die Höhe gehalten wurden. Vor Beginn wurden in Unions Fanblock Hunderte von handtuchgroßen Transparenten gezeigt, auf denen standen Begrüßungsformeln für den zehnmaligen DDR-Meister wie „Dynamo-Pack“ oder „Scheiß Dynamo“. Ein Grüppchen auf der Gegengerade forderte allerdings zu Folgendem auf: „Lasst uns die Vergangenheit restlos begraben“, und zwischen dem auf zwei Zeilen verteilten Satz tauchte der Name „Erich Mielke“ auf. Der BFC war einst der Lieblingsklub des Stasichefs.

Die zuvor befürchteten Krawalle aber blieben auf den dicht besetzten Rängen des Stadions Alte Försterei aus. Die einfallslosen Bemühungen der eigenen Mannschaft um ein Tor und die nummerische Überlegenheit der Union gewogenen Zuschauer ließen den Dynamo-Anhang alsbald nahezu verstummen. Kaum Schmähgesänge, kaum Verhöhnung des Gegners – das Feindbild geriet fast ins Wanken. Als das 4:0 gefallen war, stimmten die Union-Fans ihr „Oh, wie ist das schön“ an und die ersten Dynamo-Fans machten sich auf den Heimweg.

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