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Allzu eigensinnige Tempomacher

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Berlin - In seinem Gesicht konnte man nichts ablesen. War er verärgert? Entsetzt? Oder nur überrascht? Haile Gebrselassie schaute so, wie er schon die ganze Zeit geblickt hatte, er konzentrierte sich auf seinen Lauf, damit hatte er genug zu tun. Aber man darf davon ausgehen, dass er es nicht lustig fand, dass plötzlich völlig unplanmäßig zwei seiner Tempomacher ausfielen. Sie speziell sollten ihn zu einer Halbmarathonzeit von 62:45 Minuten führen, es war die Zeit, die er bei seiner Mission Weltrekordversuch anpeilte. Gebrselassie selber hatte sie mitgebracht. Aber die beiden Läufer stiegen schon vorher aus, noch vor der Markierung, bei der die Hälfte des Rennens absolviert war. Warum, wusste auch Renndirektor Mark Milde nach dem Marathon nicht, aber dass Gebrselassies Management ziemlich sauer war, das wusste er. „Da gab es ziemlichen Ärger.“ Es ging trotzdem noch mal gut, Gebrselassie passierte die Marke in 62:46 Minuten.

„Die Tempomacher waren heute suboptimal“, sagte Milde. Zumindest einige. Tempomacher haben eine klare Aufgabe. Sie sollen die Stars ziehen, sie sollen dafür sorgen, dass die schnelle Zwischenzeiten erreichen, und irgendwann sollen sie aussteigen. Den Rest regeln die Topleute allein.

Gestern lief James Kwambai aus Kenia bei Kilometer 19 vor dem Äthiopier Gebrselassie. Dabei sollte Kwambai eigentlich seinem Landsmann Sammy Korir assistieren. Wenigstens blieb sein Bruder Edwin Kwambai wie abgemacht bei dem angeschlagenen Gebrselassie-Konkurrenten. Warum James Kwambai den Äthiopier begleitete, wusste Milde auch nicht. „Wir hatten den Tempomachern gesagt, sie sollten so lange wie möglich laufen, das war ihre Aufgabe“, sagte er. Bei Kilometer 28 stieg James Kwambai aus, sein Bruder war schon vorher verschwunden. Denn Korir hatte nach 25 Kilometern aufgegeben. Wenigstens hielt Jason Mbote Position. Er war quasi neutral, er sollte bis Kilometer 25 für beide Stars arbeiten, das klappte.

Tempomacher schmieden immer wieder ihre eigenen Pläne, neu ist das nicht. Die spektakulärste Dynamik entwickelte der Lauf von Sammy Korir. 2003 war er eigentlich als Pacemaker für den kenianischen Star Paul Tergat engagiert worden, aber weil er sich so gut fühlte, lief er einfach weiter – und hinter dem Sieger Tergat zur zweitbesten jemals erzielten Marathonzeit. Doch dass ein Tempomacher plötzlich als Erster durchs Ziel läuft, das kannte man in Berlin schon. 2001 setzte sich der Kenianer Simon Biwott durch (2:07:42), ein Jahr später ließ sich sein Landsmann Joseph Ngolepus als Sieger feiern. Und natürlich kassierten sie die Siegprämien. In London haben sie für solche Späßchen wenig Verständnis. Dort ist vertraglich festgelegt, dass ein besonders ehrgeiziger Tempomacher keine Siegprämie kassiert.

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