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Spaltung im Volleyball

Kritiker des umstrittenen Weltverbands-Chefs Ruben Acosta wollen Gegenverband gründen
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Berlin - Ende Oktober ist es wieder so weit: In Tokio wird sich Ruben Acosta von den Delegierten des Volleyball-Weltverbandes FIVB für vier Jahre als Präsident bestätigen lassen. Meistens läuft es, wie der ehemalige Schatzmeister Franz Schmied berichtet, per Akklamation: „Es gibt ein kurzes Grummeln, allgemeine Zustimmung und das war’s“, erzählt Schmied. Der 76-jährige Schweizer weiß, wovon er redet, schließlich gehörte er lange Jahre zu den treuesten Vasallen des allmächtigen Mexikaners. Vor vier Jahren hat Schmied beim FIVB-Kongress in Buenos Aires als Vorsitzender der Wahlkommission erlebt, was passiert, wenn eine geheime Wahl beantragt wird: Acosta beauftragte ihn, nach den Urhebern der elf Gegenstimmen zu fahnden. Mittlerweile hat Schmied alle Ämter im Weltvolleyball niedergelegt, weil er „Acostas Politik nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren konnte“.

Auch ein zweiter Steigbügelhalter des seit 1984 regierenden Acosta, der aufgrund seines ebenso rigiden wie opulenten Führungsstils „Sonnenkönig“ genannt wird, ist ins Lager der Gegner übergelaufen: Seitdem der ehemalige Generaldirektor Jean-Pierre Seppey – ebenfalls ein Schweizer – im vergangenen Jahr wegen überhöhter Spesenabrechnungen gefeuert worden ist, hat er sich zum erbitterten Widersacher gewandelt. So verkündete der 46-jährige Walliser bei einer Pressekonferenz in Lima, er habe Acosta bei den Schweizer Behörden wegen Steuerhinterziehung im großen Stil angezeigt. Als Zahlen werden Einnahmen in Höhe von 25 Millionen Dollar in 22 Jahren genannt, die nicht deklariert worden seien. „Mr. Seppey ist zuversichtlich, dass die Schweizer Behörden Ruben Acosta sanktionieren werden“, heißt es in einer Mitteilung. Dem widerspricht Acosta in einem von der FIVB verbreiteten Papier. Für die Anschuldigungen gäbe es „keine Grundlage“, heißt es dort. Acosta habe seinen ständigen Wohnsitz in Mexiko und somit keine fiskalischen Verpflichtungen in der Schweiz. Angesichts „dieser neuen, trügerischen Anklage“ behalte sich der FIVB-Präsident rechtliche Schritte vor.

Das hält Seppey nicht davon ab, seinem ehemaligen Boss das Leben weiter schwer zu machen. Zunächst wollte er bei der Wahl zum FIVB-Präsidenten gegen Acosta antreten, musste dieses Vorhaben jedoch fallen lassen. Der 72-jährige Amtsinhaber hat die Mauern der Machterhaltung so hoch gezogen, dass es quasi unmöglich ist, ihn im üblichen demokratischen Prozedere herauszufordern. Elf Voraussetzungen muss ein Kandidat erfüllen, um für das höchste Amt der Volleyballer in Frage zu kommen: Unter anderem acht Jahre ohne Unterbrechung Mitglied im sogenannten Board of Administration gewesen sein, an mindestens fünf FIVB-Kongressen teilgenommen haben, eine Großveranstaltung wie WM oder Olympische Spiele mitorganisiert haben, fließend Englisch und Französisch oder Spanisch sprechen sowie eine umfassende Ausbildung in Finanzen, Recht, Vermarktung und TV-Angelegenheiten haben.

Da Seppey innerhalb der FIVB-Strukturen nicht weiter kommt, positioniert sich Acostas hartnäckigster Konkurrent inzwischen auf einem anderen Feld: Er kündigt die Gründung eines Gegenverbandes an, „weil mir Acosta als erwiesener Diktator die Kandidatur verweigert“. Ende November will er in Kopenhagen die International Federation of Beach Volleyball and Volleyball Associations (FIABVB) ins Leben rufen. Der Sportart Volleyball droht somit ein Machtkampf konkurrierender Verbände, wie er beim Boxen gang und gäbe ist. Es ist nicht auszuschließen, dass Verbände überlaufen werden oder sich Organisatoren von Großereignissen den neuen Machern anschließen, um sich von den rigiden Geschäftspraktiken der FIVB zu befreien. In seiner Diktion gibt sich Seppey, der noch vor wenigen Jahren als bissigster Kettenhund Acostas galt, als habe er sich vom Saulus zum Paulus gewandelt. Er spricht von „finanzieller Transparenz“, „demokratischen Gepflogenheiten“, „Spielermitbestimmung“ und einem „olympiawürdigen, ethischen Code“.

In seine Organisation will er „nationale Verbände, charismatische Persönlichkeiten sowie Vereinigungen“ einbinden. Das in Kopenhagen ansässige Netzwerk „Play the Game“, das sich für weniger Filz und mehr Fairness im Sport einsetzt, habe seine Unterstützung bei einer Demokratisierung der Sportart Volleyball zugesagt. Zudem bemüht sich Seppey, den Amerikaner Karch Kiraly ins Team zu holen. Kiraly, einziger Volleyballer, der in der Halle und auf Sand olympisches Gold gewinnen konnte, war noch nie zögerlich, wenn es darum geht, Acosta und seinen Machtapparat zu geißeln. „Was im Weltverband läuft, ist das Gegenteil von Demokratie.“ Ob sich Kiraly, der sich für die der FIVB ebenfalls in inniger Feindschaft verbundenen amerikanischen Profivereinigung AVP stark macht, vor Seppeys Karren spannen lässt, hat er indes noch nicht verkündet.
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