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Trost im Tor

Schalke und Leverkusen erfreuen sich an ihren Torhütern, nicht an der Tabelle
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Auch wenn es nichts zu feiern gibt, lässt sich ein Grund zur Freude finden. Den Schalkern und Leverkusenern ist das am Freitagabend jedenfalls gelungen. Nach einem 1:1, das beide Klubs ihrem Anspruch nicht näherbringt, fanden sie Trost bei ihren Torhütern. Mit teils famosen Abwehrreaktionen verhinderten der Schalker Schlussmann Manuel Neuer, vor allem aber sein Leverkusener Gegenüber René Adler eine mögliche Niederlage ihrer Mannschaft. Der größte gemeinsame Nenner eines flotten, aber nicht effektiven Fußballspiels bestand in der nicht ganz neuen Erkenntnis, dass Deutschland auch künftig keinen Mangel an guten Torhütern für die Nationalmannschaft haben wird. Der 21 Jahre alte Neuer ist in der kommenden Woche sogar aufgefordert, Bundestrainer Joachim Löw bei einem Fitnesstest zu zeigen, ob er körperlich in der Lage wäre, die Anforderungen an einen Nationaltorwart zu erfüllen.

Diese Einladung scheint nicht nur Neuer, sondern auch den fünfzehn Monate älteren Adler angespornt zu haben. Beim unmittelbaren Vergleich in der Schalke-Arena schnitt der Leverkusener noch besser ab. Er hatte häufiger die Gelegenheit, sich auszuzeichnen, weil Schalke den stärkeren Drang verspürte, mehr als nur ein Tor zu erzielen. Die Art, wie Neuer und Adler, nur räumlich weit voneinander entfernt, mit ihren Paraden ein dramaturgisch interessanteres Ergebnis verhinderten, mag die Prüfer der ersten sportlichen Zwischenbilanz vor der Länderspielpause verdrossen haben. Wer indes das große Ganze des deutschen Fußballs im Blick hat, wie etwa – aus alter Gewohnheit – der Leverkusener Sportdirektor Rudi Völler, konnte sich an den beiden Torleuten erfreuen. „René Adler hat ein super Spiel gemacht, Neuer aber auch. Wir haben gesehen: Das ist die neue Generation der Torhüter“, sagte der frühere deutsche Teamchef. Mit solchen Talenten in der Hinterhand brauche Deutschland um seinen Status als Torwartland nicht zu fürchten. „Die Engländer würden selbst unseren Torhüter Nummer zehn noch mit Kusshand nehmen.“

Die Leverkusener hatten ihrem Schlussmann mehr zu verdanken als die Schalker dem ihren. Dennoch griff auch deren Trainer Mirko Slomka die Torwartfrage gern auf, um sich ein wenig abzulenken von seiner Enttäuschung über das Ergebnis. Auf den Weitblick komme es an. „Was passiert 2010? Vielleicht sollte man schon jetzt einen jungen Torwart mit dazunehmen, der bei der nächsten WM dann eine größere Rolle spielen könnte. Manuel Neuer ist zurzeit in einer Verfassung, dass man ihm zumindest mal eine Chance geben sollte.“ Slomka selbst hatte vor einem Jahr den Mut aufgebracht, Neuer anstelle des etablierten Frank Rost ins Tor des FC Schalke zu stellen.

In dieser Hinsicht kann er eine erfolgreiche Zwischenbilanz ziehen, auch wenn Neuer in der jüngeren Vergangenheit ein paar Patzer unterlaufen sind. Bezogen auf den Gesamtertrag, fällt es Slomka schwerer, seinem Personal gute Noten zu erteilen. „Sechs Punkte aus vier Spielen sind, gemessen an unseren Ansprüchen, natürlich zu wenig. Das war ein Wischiwaschistart, wir sind enttäuscht“, sagte Slomka. Und die Tatsache, dass sich Mladen Krstajic eine Außen- und Innenbandverletzung im linken Knie zugezogen hat und sein Einsatz gegen den FC Bayern in zwei Wochen gefährdet ist, hellt seine Laune auch nicht auf. Bleibt nur der Trost, einen guten Mann im Tor zu haben.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 02.09.2007)
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