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STEIL Pass

Omma aus Ostwestfalen

Philipp Köster trauert um die Arminia-Kneipe Enzian in Kreuzberg
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Wen es als Fußballfan nach Berlin verschlägt, der muss sich nicht zwangsweise Hertha BSC an den Hals werfen, um sich in der großen, fremden Stadt ein wenig heimischer zu fühlen. Denn für jeden Fußballfan, gleich welcher Herkunft, gibt es in Berlin eine Kneipe. In der „Schwalbe“ in der Stargarder Straße in Prenzlauer Berg gibt es alle Kölner Spiele, anderswo werden bevorzugt Bremer, Münchner, Mainzer oder Gladbacher Partien in voller Länge gezeigt.

Für jeden Klub gibt es das, außer für Arminia Bielefeld. Denn vor zwei Wochen hat doch tatsächlich das „Enzian“ in der Yorckstraße dichtgemacht. Die Kreuzberger Kneipe war stadtweit das einzige Lokal, das selbst dann standhaft ein Arminia-Spiel gezeigt hätte, wenn zeitgleich Champions-League-Endspiel und WM-Finale übertragen worden wären. Und damit nicht genug der heimatlichen Gefühle: An den Wänden hingen vergilbte Karten ostwestfälischer Landstriche, und zum „Herforder Pils“ wurde Bratwurst des ortsansässigen Fleischers Spengemann gereicht.

Kurzum: eine ostwestfälische Parallelgesellschaft, mitten in Berlin. Am vorletzten Mittwoch ein wehmütiger Umtrunk, am Donnerstag wurde die Yorckstraße 77 geräumt, am Sonntag rüttelten Berliner Arminen frustriert an der verrammelten Tür und wimmerten: „Lasst uns rein, das Spiel fängt gleich an.“

Eine Kneipe nebenan gewährte den heimatlosen Anhängern der „Arminia-Fans Berlin“ Unterschlupf, eine Dauerlösung ist das allerdings auch nicht. Deshalb hier eine Suchanzeige: Es muss sich doch ein Wirt finden, der eine Bielefelder oder Paderborner Oma im Stammbaum nachweisen kann, der ostwestfälische Biersorten nach Berlin importiert, der statt „zu“ immer „nach“ sagt (also „nach Aldi“ und „nach Omma“) und der vor allem bereit ist, statt der obligatorischen Konferenzschaltung Arminia-Spiele in voller Länge zu zeigen.

Bis dieser Wirt gefunden ist, nehmen wir die Mützen ab, senken den Blick und verharren still: eine Schweigeminute für das Enzian.

„11 Freunde“-Chefredakteur Philipp Köster schreibt an dieser Stelle im Wechsel mit Stefan Hermanns. Und wer Mitleid hat mit den traurigen Exil-Arminen (und einen „Herforder“-Zapfhahn im Keller), mailt an: 11freunde@tagesspiegel.de.



(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 26.10.2007)
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