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Arthur Abraham verliert WM-Titel : Das Box-Fiasko von Las Vegas

Keine einzige Runde gewinnt Arthur Abraham gegen den Mexikaner Gilberto Ramirez und ist damit seinen WBO-Gürtel los. Nun droht der Bruch mit Trainer Ulli Wegner.

Hartmut Scherzer
Doppeldeckung und kaum offene Akzente lieferte Arthur Abraham (r.) gegen Gilberto Ramirez (l.) in der MGM Garden-Arena in Las Vegas.
Doppeldeckung und kaum offene Akzente lieferte Arthur Abraham (r.) gegen Gilberto Ramirez (l.) in der MGM Garden-Arena in Las...Foto: Christian Petersen/Getty Images/AFP

Mit zwölf Runden Doppeldeckung kann ein deutscher Box-Weltmeister durchaus in Halle/Westfalen seinen Titel verteidigen. Nicht aber in Las Vegas. Arthur Abrahams "Schotten-dicht"-Taktik führte für den 36-jährigen WBO-Champion im Super-Mittelgewicht zum Fiasko. In der MGM Grand Garden Arena verlor der maßlos enttäuschende gebürtige Armenier gegen den zwölf Jahre jüngeren Mexikaner Gilberto Ramirez nach Punkten. Eine blamable Leistung für eine 1,4-Millionen-Börse: Alle drei Punktrichter werteten 120:108, sahen den Titelverteidiger also in keiner Runde vorn. Ein völlig konsternierter Ulli Wegner verkündete mit versteinerter Miene und energischer Stimme: „Vielleicht muss Arthur von einem neuen Trainer motiviert werden. Ihm fehlt Opferbereitschaft.“

Nach 13 Jahren und 49 Kämpfen, davon 23 um WM-Titel, scheint die Chemie zwischen Trainer und Boxer nicht mehr zu stimmen. Im Fußball würde man sagen: Der Trainer erreicht die Mannschaft nicht mehr. Die klare taktische Vorgabe hieß: Von der ersten Runde an den 14 Zentimeter größeren Pflichtherausforderer anzugreifen, den in 33 Aufbaukämpfen zwar unbesiegten, aber unerfahrenen Rechtsausleger mit Schlagserien unter Druck zu setzen. Doch was machte Abraham? Deckung hoch wie gewohnt – und sonst so gut wie nichts.

So baute der Champion den vergleichsweise „grünen“ Gegner auf. Ramirez schlug viel, bewegte sich gut, war schnell auf den Beinen. Wenn Abraham einmal aus seiner Deckung herauskam, wie in der zweiten und siebten Runde, fing er sich prompt  Konter ein, die ihn rückwärts taumeln ließen. Nur einmal stellte Abraham den schnellfüßigen Mexikaner mit einer wuchtigen Schlagserie am Seil, Ende der 6. Runde. Abraham fightete nicht, suchte auch, als längst alles verloren war, nicht auf Biegen oder Brechen den Knockout. Was ist nur aus dem harten Kerl geworden, der einmal trotz doppeltem Kieferbruchs siegte? Zu alt? Zu bequem? Über den Berg?

Trotzig erwiderte Abraham -  mit geröteten Schwellungen im Gesicht - im Media Center gegenüber dem halben Dutzend deutscher Reporter: „Ich komme hundertprozentig zurück. Es war heute nicht mein Tag, und ich bin selbst von mir enttäuscht. Tut mir leid.“ Obwohl er zweimal gewackelt hatte, sprach Abraham von „Pipischlägen“ seines Bezwingers. „Ich kam nicht an ihn ran, wie ich mir gewünscht hätte. Er war aktiver, ist aber weggelaufen. Da wurde ich sauer und fest. Wir hatten die falsche Taktik.“

Manny Pacquiao gewinnt voraussichtlich letzten Fight einstimmig

Ein Vorwurf, den Wegner nicht auf sich sitzen ließ: „Wir hatten im Training mit einem Franzosen den idealen Sparringspartner und einen taktischen Plan, den Arthur aber nicht umgesetzt hat. Er hatte es versprochen, er kann es, aber er macht's nicht.“  Sofort loslegen. Jung-Promoter Kalle Sauerland fühlte sich an Abrahams Desaster in der Super-Sechs-Serie vor fünf Jahren mit den Niederlagen gegen Dirrell, Froch und Ward in den USA und Finnland erinnert.

Mit einem weißen Stetson auf dem Kopf und dem WBO-Gürtel über der Schulter ließ sich Gilberto Ramirez umjubeln. Doch der von 16.000 Zuschauern enthusiastisch gefeierte Fighter dieser MGM-Gala war Manny Pacquiao. Der 37-jährige Filipino, zehnmal Weltmeister in acht Gewichtsklassen und zuletzt nach schwulenfeindlichen Aäußerungen in der Kritik, schlug in einem aktionsgeladenen Weltergewichtskampf den alten Rivalen Tim Bradley (je ein Sieg) zweimal zu Boden und beendete die Trilogie mit einem einstimmigen Punktsieg. Es ist schwer vorstellbar, dass dies sein letzter Kampf gewesen sein soll. Die Verlockung, weitere 20 Millionen Dollar zu kassieren und unters philippinische Volk zu bringen, dürfte für den sozial engagierten Politiker in spe wohl doch zu groß sein.

Der erst 17-jährige Leon Bauer besiegte in seinem achten Profikampf den favorisierten Russen Ilshat Khusnulgatin in sechs Runden einstimmig nach Punkten. Ein Schüler aus der Pfalz musste daherkommen, um als erster Deutscher Las Vegas als Sieger zu verlassen.

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