Arzt im Interview : Zweifel an einer Häufung von Todesfällen

Der Arzt Tim Meyer im Interview über den plötzlichen Tod von Sportlern.

Tim Meyer (41) ist der Leiter des Instituts für Sport- und Präventionsmedizin an der Universität Saarbrücken und gehört damit zu den führenden Sportmedizinern in Deutschland.



Herr Meyer, der Handballer Sebastian Faißt ist der dritte Hochleistungssportler, der in diesem Jahr plötzlich tot zusammen gebrochen ist. Ist Sport gefährlicher geworden?



Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es bislang keinen Hinweis darauf. Die mediale Aufmerksamkeit ist allerdings größer geworden. Doch wenn man die Fälle statistisch mit Vorjahren vergleichen würde, hätte ich Zweifel, dass man eine Häufung feststellen würde. Nach dem was berichtet wurde, soll der Spieler wegen eines geplatzten Gefässes im Gehirn gestorben sein. Das wäre eine eher seltene Ursache für einen plötzlichen Todesfall im Sport.

Hätte das Gefäß auch platzen können, wenn er nur spazieren gegangen wäre?

Wenn es wirklich die Todesursache war, dann hat sie vermutlich schon mit körperlicher Belastung zu tun. Wenn die Wand eines solchen Gefäßes vorgeschädigt ist, dann ist ein zu hoher Blutdruck ungünstig. Aber so ein Gefäß kann auch bei nicht-sportlichen Belastungen platzen, zum Beispiel bei längerem Holzhacken.

Man sollte denken, dass bei Hochleistungssportlern Vorschädigungen rechtzeitig erkannt werden. Die Athleten werden doch regelmäßig durchgecheckt.

Natürlich ist die Chance einer Früherkennung bestimmter Erkrankungen größer als bei Menschen, die weniger häufig untersucht werden. Die Screeninguntersuchungen sind ja so angelegt, dass man die häufigsten gefährlichen Veränderungen erkennt. Aber seltene oder nur sehr aufwändig zu diagnostizierende Erkrankungen wird man auch mit den besten screenings kaum finden. Wenn es gefordert würde, bei jedem beschwerdefreien Leistungssportler eine Kernspinuntersuchung des Kopfs zu machen, um Vorschädigungen aller Hirngefäße zu erkennen, wäre das nicht zu bezahlen.

Das Gespräch führte Frank Bachner.

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