Sport : Asien schlägt auf, der Rest vorbei

Bei der Mannschafts-Weltmeisterschaft im Badminton gehen die Titel wieder einmal nach China – die Europäer sind ohne Chance

Bernd-Volker Brahms

Jakarta - Badminton ist in Indonesien Volkssport. Dort hat die Sportart auf professioneller Ebene nicht den Mief betagter Turnhallen. Im Gegenteil, in Großarenen jubeln die Fans ihren Lieblingen zu. Das war auch am Wochenende nicht anders, als in einer Halle in der Hauptstadt Jakarta 10 000 Zuschauer gekommen waren, um ein Badminton-Spiel zu sehen, das aus europäischer Sicht historische Tragweite hätte bekommen können. Denn bei der Mannschafts-Weltmeisterschaft wollte die dänische Auswahl das schaffen, was europäischen Teams in sechzig Jahren nicht geglückt ist: die asiatische Vormachtstellung im Badminton zu brechen. Es klappte wieder einmal nicht. Dänemark verlor bei den Männern zum siebten Mal ein Endspiel, diesmal 1:3 gegen China. Die dänischen Frauen, ebenfalls europäische Spitze, verloren schon im Halbfinale gegen Südkorea 2:3. Im Finale besiegte China dann Korea 3:1.

Es war wieder einmal eine Sache der Nerven; die ungewohnt vielen Zuschauer und der Druck, doch einmal die leichten Bälle besser zu schlagen als die Gegner aus Asien. „Diese Möglichkeit hat uns in den zurückliegenden Wochen motiviert“, sagte Peter Gade. Der 27-jährige Däne ist immerhin Europameister, verlor in Jakarta jedoch schon sein Halbfinalspiel. Dabei hatte er die Stimmung in der Halle zuvor noch gelobt: „Ich mag es, vor solch einer Kulisse zu spielen.“ Dass sich Zuschauer so für Badminton begeistern, könne man sonst nur noch in China und Malaysia erleben, hatte Gade nach dem Viertelfinale gesagt.

Doch als der Sechste der Weltrangliste im Halbfinale für sein Team vor den tobenden Fans gegen den Indonesier Sony Dwi Kuncaro antreten musste, stand er mit fahlem Gesicht auf dem Feld. Gades Bewegungen wirkten statisch, der Blick für die richtige Länge der Schläge war nicht da. Der Favorit verlor in zwei Sätzen. „Ich hatte ein Magenproblem“, sagte er. Gades Kollegen hatten keine Probleme: Siege in beide Doppeln und im dritten Einzel durch Peter Rasmussen sicherten Dänemark den Finaleinzug. Dort hätte Gade noch zum Helden werden können. Doch gegen den Weltranglistenersten Lin Dan aus China verlor er wieder in zwei Sätzen.

Bescheidender als die Dänen hatten sich die Deutschen vor dem Turnier gegeben. Das deutsche Team war erst das zweite Mal beim Finalturnier der besten zwölf Mannschaften dabei. Die Männer verloren im Viertelfinale 1:3 gegen Dänemark, die Frauen unterlagen im Achtelfinale Indonesien 0:3. „Für die Frauen wäre das Halbfinale drin gewesen“, sagte Bundestrainer Asger Madsen. Die Mannschaft sei weit unter ihren Möglichkeiten geblieben. „Weil die Nerven versagten.“ Das hatten sie mit ihren dänischen Kollegen gemeinsam.

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