Asienreise : Schlaflos in Schanghai

Die deutsche Nationalmannschaft beklagt auf der Asienreise einige Ausfälle und eine mangelnde Resonanz in China.

Gregor Derichs[Schanghai]
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Huth

Mittags um 12 Uhr streifte Joachim Löw durch das Four Seasons Hotel in Schanghai und fahndete vergeblich nach bekannten Gesichtern. „Ich habe noch keine Spieler gesehen“, stellte er fest. Schlafend vermutete der Bundestrainer sein Personal. Er selbst war mitten in der Nacht aufgewacht und hatte sich um 2.45 Uhr das Champions- League-Finale im Fernsehen angesehen, „aber nach einer Stunde bin ich wieder eingeschlafen“, sagte Löw. Irgendwann wurde er wieder wach und sah die Spanier eine Ehrenrunde drehen.

Die Zeitumstellung machte nicht nur dem Bundestrainer zu schaffen. „Die Müdigkeit kommt durch. Viele Spieler haben nicht durchgeschlafen“, sagte Löw beim Nachmittagstraining. 14 erschöpfte Gestalten bewegten sich 75 Minuten auf dem Rasen im Schanghai-Stadion. Am Freitag um 20 Uhr Ortszeit (14 Uhr MESZ/live in der ARD) im Freundschaftsspiel gegen China muss Löw seine Leute wohl nicht wachrütteln. „Aber alle haben mit der Zeitumstellung und den Reisestrapazen zu kämpfen“, sagte der 49-Jährige. Dazu stellten sich auch noch gesundheitliche Malaisen ein, aufgrund derer sein ohnehin kleiner Kader von 17 Spielern weiter schrumpfen kann. Arne Friedrich klagte über Probleme in seinem kürzlich operierten linken Knie und verzichtete wie Heiko Westermann auf das Training. Bastian Schweinsteiger brach die Übungen nach wenigen Minuten wegen Rückenbeschwerden ab. Schließlich musste auch noch Lukas Podolski behandelt werden. „Die Lage ist aber nicht dramatisch“, sagte Löw. Friedrich sei ebenso einsatzfähig wie Schweinsteiger und Podolski. Lediglich Westermann soll offenbar geschont werden.

Das Training hatte vor nur rund 1000 Zuschauern stattgefunden, denn die ausgegebenen Freikarten wurden nur zu einem Bruchteil genutzt. Manche Fans aber zahlten 50 bis 200 Yuan (5 bis 20 Euro) für ein Gratisticket auf dem Schwarzmarkt. Verantwortliche des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verdächtigten Mitarbeiter des chinesischen Verbandes, illegal Karten zu verkauften. Von Begeisterung für das Länderspiel ist allerdings in der 20-Millionen-Metropole Schanghai wenig zu spüren, lediglich rund 25 000 Zuschauer werden zum Gastspiel des Vize-Europameisters erwartet.

Das Tor gegen die Chinesen, die Nummer 97 der Welt, wird Robert Enke hüten, Manuel Neuer wird ihn wohl am Dienstag ablösen und sein Debüt geben. Eine „anständige Vorstellung“ müsste seine Auswahl bieten, erklärte Löw. Schließlich soll ja, wie von der Bundesliga geplant, der Ruf des deutschen Fußballs im Fernen Osten, gefördert werden.

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