Sport : Assauers Flüche

Schalkes Manager befürchtet Rückfall in alte Zeiten

Richard Leipold[Gelsenkirchen]

Das nationale und internationale Programm artet für die Fußballprofis des FC Schalke 04 in Arbeit aus. Seit der Sommerpause haben die Gelsenkirchener 28 Pflichtspiele absolviert. Sie eilen von Sieg zu Sieg – und werden doch allmählich müde von ihrer erfolgreichen Akkordarbeit. Noch viermal spielen, dann ist Winterpause. „Wenn man seit Mitte Juli jeden dritten Tag ein Spiel hat, merkt man schon die Belastung. Ich freue mich auf den Urlaub“, sagt Gerald Asamoah. Als die Schalker Spieler am Donnerstagabend müde in die Kabine trotteten, konnten sie noch nicht wissen, was der mühsame, wenn auch ungefährdete 2:0-Sieg gegen Ferencvaros Budapest wert war.

Der spätere Spielbeginn in Basel ermöglichte den unterhaltsamsten Teil dieses grauen Fußballabends, den erst die Herzenslust schottischer Kicker für Schalke im Nachhinein aufwertete: 2:1 gewann überraschend Heart of Midloathian gegen den FC Basel. Als Manager Rudi Assauer auf dem Podium die schwache Leistung seiner Spieler kritisierte, konnte er noch nicht ahnen, dass sich Schalke zwei Spieltage vor Abschluss der Gruppenspiele im Uefa-Cup bereits für die Runde der letzten 32 Mannschaften qualifiziert hat.

Schalke habe gespielt wie in längst überwunden geglaubten Zeiten, begann er seinen Wutausbruch: „Quer, quer, quer, gegen einen derart schwachen Gegner hätten wir mit 4:0 oder 5:0 nach Hause gehen müssen. Ich bin enttäuscht.“ Das Eigentor von Gyepes (15. Minute) und der Treffer von Kobiaschwili (40.) waren ihm zu wenig. Am kommenden Mittwoch bei Feyenoord Rotterdam geht es für die Westfalen nur noch darum, den ersten Tabellenplatz zu verteidigen.

So aber rechnete Assauer vorsorglich mit denen ab, die unter ihren Möglichkeiten blieben. Sein Groll richtete sich vor allem gegen zwei der drei Einwechselspieler. Das Auswechselkontingent war nach 45 Minuten erschöpft, weil Bordon, Sand und Kläsener ihren Dienst wegen verschiedener Blessuren vorzeitig beenden mussten. Ob sie im westfälischen Derby an diesem Sonntag gegen den ambitionierten Aufsteiger Arminia Bielefeld spielen können, ist offen. Von den drei frischen Kräften überzeugte nur Tomasz Waldoch als Vertreter Bordons.

Dagegen kritisierte der Manager Poulsen und Altintop ungewohnt heftig. „Diejenigen, die sonst in der zweiten Reihe stehen und immer fordern, fordern, fordern, waren die größten Versager.“ Poulsen versuchte sich als rechter Verteidiger. „Man hat gesehen, dass dies weder seine 1a- noch seine 1b-Position ist“, sagte Trainer Ralf Rangnick. Altintop erwies sich im Mittelfeld als Umstandskrämer, dem die Leichtfüßigkeit der vergangenen Saison abhanden gekommen ist.

Nach allerlei Tiraden verließ Assauer abgespannt den Presseraum. „Das ist nicht mein Tag“, sagte er matt und verschwand. Der Manager konnte eben noch nicht wissen, dass es für Schalke im Ergebnis der beste Europapokaltag seit vielen Jahren war.

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