Assistent des Bundestrainers : Marcus Sorg könnte bald neben Joachim Löw sitzen

Marcus Sorg steht zur Zeit mit der U-19-Mannschaft im EM-Halbfinale. Wenn Hansi Flick Sportdirektor des DFB wird, könnte er demnächst neben dem Bundestrainer auf der Bank sitzen.

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Kompetent und herzlich. Marcus Sorg, hier mit Angreifer Felix Lohkemper, hat seine Kritiker inzwischen überzeugt. Foto: Imago
Kompetent und herzlich. Marcus Sorg, hier mit Angreifer Felix Lohkemper, hat seine Kritiker inzwischen überzeugt. Foto: ImagoFoto: imago/Aleksandar Djorovic

Es gibt bemerkenswerte Parallelen in der Vita von Joachim Löw und der von Marcus Sorg. Voreilige Schlüsse lassen sich daraus nicht ziehen. Etwa, dass Sorg deshalb automatisch der neue Assistent des Bundestrainers wird. Dieser Posten ist zu besetzen, da der bisherige A-Team-Assistent Hansi Flick Sportdirektor des DFB wird. Aber der aktuelle deutsche U-19-Junioren-Coach Sorg, so heißt es, spiele in den Überlegungen des Weltmeisters Löw eine gewichtige Rolle. Der Name wird in der DFB-Zentrale hoch gehandelt.

So soll Löw DFB-Chef Wolfgang Niersbach scherzhaft mitgeteilt haben, er müsse sich unter Umständen demnächst mit Neu-Sportdirektor Flick streiten, weil er dem einen seiner Junioren-Trainer wegnehme. Neben Sorg gilt Frank Wormuth (53), U-20-Coach und Leiter der Fußballlehrer-Ausbildung des DFB an der Hennes-Weisweiler-Akademie, als möglicher Kandidat. Dem ehemaligen Mainzer Bundesliga-Trainer Thomas Tuchel wird zu viel Temperament zugeschrieben, um ohne Reibungsverluste ins Team Löw integriert zu werden.

Darüber, was bald sein könnte, will sich der 48 Jahre alte Sorg derzeit ohnehin keine Gedanken machen. Vor allem nicht, solange er in Ungarn bei der U-19-EM einen Job zu erledigen hat. Am Freitagabend erreichten Sorg und sein Team durch ein 2:0 gegen die Ukraine das Halbfinale gegen Österreich, das am Montag stattfindet. „Wir wollen das hier jetzt durchziehen“, sagt Sorg. Das heißt wohl, der deutsche Nachwuchs will ins Finale und das dann gewinnen. „Fakt ist, Joachim Löw wird die beste Lösung für sich finden. Und, wir haben hier mit der Mannschaft noch viel zu tun“, sagt Sorg. Und, dass er in der Sache noch nicht kontaktiert worden sei.

Wendepunkt nach dem Karriereknick

Wie bei Löw, der vor seinem Engagement als Assistent von Bundestrainer Jürgen Klinsmann eine schwere Zeit als Klub-Trainer durchmachen musste, könnte man Sorgs Weg nach seiner Entlassung beim SC Freiburg am 29. Dezember 2011 als gelungen genutzte zweite Chance betrachten. 2011 aus der vierten Liga in die Bundesliga befördert, war nach knapp sechs Monaten alles vorbei. Vier Tage nach Weihnachten wurde Sorg entlassen. Freiburg war Letzter und es hieß, die Bundesligaschuhe seien zu groß für ihn.

Der Wendepunkt nach dem Karriereknick mag das Engagement bei Bayern Münchens U-17-Mannschaft 2012 gewesen sein. Der Nachwuchs-Experte Sorg war zurück auf der Bühne. Und ein Engagement durch den Branchenführer schien zudem der Beweis, dass er ein Trainer ist, der für Qualität steht und sich nicht unterkriegen lässt. Erst recht, als ihn der DFB 2013 zur U 19 holte. 2011 voreilig als wenig krisenfest, eine Spur zu ungeduldig und verschlossen eingestuft, führte Sorg den DFB-Nachwuchs nun nach sechs Jahren wieder in eine EM-Endrunde, schaltete in der EM-Qualifikation Spanien aus und qualifizierte sich nebenbei durch den EM-Halbfinaleinzug für die Weltmeisterschaft 2015 in Neuseeland.

Am Montag geht es um den Final-Einzug

Der ehemalige Zweitligaspieler (SSV Ulm) und Amateurtrainer (2008 bis 2011 SC Freiburg) hat in Ungarn nachdrücklich bewiesen, dass er mit Situationen umgehen kann, die nicht optimal sind. Zur EM mussten Sorg und sein Team ohne Vorbereitung, weil die Nachwuchsspieler ihren Bundesliga-Klubs in der Vorbereitung auf die Saison zu lange gefehlt hätten. Aus dem Stand ins Halbfinale, das ist nun ein weiterer Pluspunkt für den Diplom-Ingenieur der Bauphysik. Sein Credo dabei: Die Situation so annehmen, wie sie ist, was ein hohes Maß an Flexibilität und Kompromissbereitschaft voraussetzt.

Am Montag geht es nun um den Final-Einzug. Egal wie das Nachbarschaftsduell gegen Österreich ausgeht, Marcus Sorg hat sein Freiburger Tief längst abgehakt und überwunden. Heute heißt es, der konsequente, aber zurückhaltende Mann habe Weitblick, sei gut strukturiert und stehe für moderne Mitarbeiterführung. So einer könnte der Richtige an der Seite von Löw sein. Ob es am Ende auch so kommt, wird geklärt, wenn Sorg seinen wichtigen EM-Job mit der U 19 in Ungarn erledigt hat und Joachim Löw aus dem Urlaub zurückkommt.

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