Sport : Asthma im Schwimmbad

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In unserer Serie widmen wir uns Körperstellen, die für Athleten in ihrer Sportart besondere Bedeutung haben. Heute: die Lunge beim Schwimmen.

Im Wasser ist Luft besonders wichtig, und deshalb muss die Lunge bei Schwimmern besonders belastbar sein. Die 50Meter-Freistilstrecke schwimmen die Besten sogar durch, ohne zu atmen. Luftholen würde zu viel Zeit kosten. Durch hartes Training ist das Immunsystem jedoch ohnehin geschwächt und der Körper damit anfällig für bronchiale Keime wie etwa Grippeviren.

Für Schwimmer kommt noch ein weiterer Punkt hinzu. „Das Wasser ist stark chlorhaltig, und Chlorgas ist ein Giftgas. Ausgerechnet ganz knapp über der Oberfläche, wo Schwimmer atmen, ist die Konzentration des Chlorgases am höchsten“, sagt Mark Warnecke, jahrelang Weltklasseschwimmer und ausgebildeter Arzt. In die maximal beanspruchten Lungen gelangt dadurch besonders viel Gas. Die Folge kann eine chronische Bronchitis sein.

„Deshalb müssen viele Schwimmer auch Asthmasprays nehmen“, sagt Warnecke. Der Olympiadritte von 1996 über 100-Meter-Brust hatte selber jahrelang hart weitertrainiert, obwohl er schon nach einer halben Stunde im Wasser Hustenanfälle bekam. „Deshalb habe ich eine chronische Bronchitis.“ Warnecke kennt einen deutschen Spitzenschwimmer, der durch zu hohe Chlordosierungen sogar Herzprobleme hatte. Die rechte Herzkammer pumpte nicht mehr problemlos, weil sie durch die angegriffene Lunge enorm beansprucht wurde. Erst seit der Athlet Medikamente nimmt, geht es ihm etwas besser. Warneckes Lösungsvorschlag klingt zunächst paradox: „Man darf nicht zu viel trainieren.“ Je härter das Training ist, umso stärker wird das Immunsystem angegriffen und die Lunge durch das Chlor belastet. „Man muss unbedingt verhindern, dass das Immunsystem überbeansprucht wird“, sagt Warnecke. fmb

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