ATP-Turnier in Halle : Tommy Haas unterliegt Roger Federer

Tommy Haas ist im Halbfinale von Halle gegen Roger Federer ausgeschieden. Nach gutem Beginn fand der Titelverteidiger in Kumpel Federer seinen Meister. Der Schweizer trifft nun auf die Überraschung des Turniers.

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Chance vergeben: Tommy Haas lag bereits mit einem Satz in Führung, doch dann war der Weltranglistendritte zu stark für den 35-Jährigen.
Chance vergeben: Tommy Haas lag bereits mit einem Satz in Führung, doch dann war der Weltranglistendritte zu stark für den...Foto: afp

Am Ende brandete der Applaus noch einmal so überwältigend auf, wie in dem Moment, als Thomas Haas die Arena von Halle betreten hatte. Die 11.000 Zuschauer auf den Rängen erhoben sich, und sie johlten und klatschten so laut, dass Haas ein Lächeln übers Gesicht huschte, auch wenn ihm eigentlich gar nicht danach war. Doch die Liebesbekundungen des Publikums milderten ein wenig seine Enttäuschung darüber, dass ihm dieses Mal der Coup gegen Roger Federer nicht gelungen war.

Und Freundschaft hin oder her, Haas ärgerte sich über die 6:3, 3:6 und 4:6-Niederlage gegen den Schweizer Rekordmann. „In den wichtigen Momenten hat Roger einfach gezeigt, aus welchem Holz er geschnitzt ist“, musste Haas anerkennen. Er hätte dieses Halbfinale zu gerne gewonnen und sich die Chance erhalten, seinen Titel in Halle zu verteidigen. Doch das Halbfinale an diesem Nachmittag lief anders als das Endspiel vor einem Jahr.
Der fünfmalige Turniersieger und siebenmalige Wimbledonchampion ließ sich nun nicht mehr vom Mitgefühl für seinen guten Freund Haas einlullen und spielte ein solides Match ohne große Kabinettstückchen. „Heute fiel es mir leichter, unsere Freundschaft auszublenden“, sagte Federer etwas verwundert. Damals sei es für den gerade auf die Tour zurückkehrten Haas eine riesige Sache gewesen, dass er plötzlich im Finale stand. Davon hatte sich der Freund Federer beeindrucken lassen. „Tommy hatte an dem Tag einen solchen Siegeswillen, eine solch imposante Art auf dem Platz, die hat mich gelähmt“, erinnerte sich Federer, „heute war dieser Siegeswille nicht so da.“
Haas gelang es nicht, sich wieder in einen Rausch zu spielen. Beide wirkten zu Beginn dieser Partie ein wenig gehemmt, als wollten sie dem anderen nicht unbedingt wehtun. Haas, der im Turnierverlauf nur eine einzige Breakchance zugelassen hatte, vereitelte gleich im ersten Spiel eine und schlug dann selbst zur 4:2-Führung zu, als Federer noch an der Feinjustierung seiner Schläge feilte.
Obwohl Haas den ersten Satz gewann, war es ein schleppender Start in dieses 14.<ET>Duell der beiden Ü30-Akteure, der die Zuschauer nur sporadisch mitriss. Mit Beginn des zweiten Durchgangs legte Federer jedoch seine Samthandschuhe ab und machte Ernst. „Ich habe sofort gespürt, dass Roger aggressiver wird und enger die Linien angeht“, sagte Haas, „ich konnte nicht viel dagegen tun.“ Auch die Aufschläge des Schweizers wurden zunehmend gefährlicher, und während Federer allein 14 Asse schlug, unterliefen Haas neun Doppelfehler. Besonders bitter waren jene zwei im dritten Spiel des dritten Satzes, die Federer das entscheidende Break bescherten. „Das Wetter hat es mir schwer gemacht“, klagte Haas, der Mühe mit dem schnellen Wechsel von Sonne und dunkler Bewölkung über dem geöffneten Dach der Haller Arena hatte, „ich habe da wohl zuviel beim Aufschlag probiert.“
Federer dagegen war froh, dass er auf dem vertrauten Grün seine Sicherheit im Spiel wiedergefunden hatte. Nach seinen ersten beiden Runden gegen Cedrik-Marcel Stebe und Mischa Zverev, die nur bessere Trainingseinheiten gewesen waren, wusste der 31-Jährige selbst nicht recht, wo er steht.


„Ich war nicht sicher, wie gut ich wirklich spielen kann, aber ich bin froh, dass ich dieses Niveau erreicht habe“, sagte Federer, „dieses Mal konnte ich mich wehren.“ Der Weltranglistendritte wurde auch durch seine guten Aufschläge merklich sicherer von der Grundlinie, Haas dagegen ließ am Ende nach. Die letzten vier Wochen Wettkampftennis am Stück haben dem 35-Jährigen vielleicht die letzten paar Prozent gekostet, dennoch sagte Haas: „Ich habe alles gegeben und alles probiert.“ Die Zuschauer hegten keinen Zweifel daran und hofften, als sie ihn aus der Arena verabschiedeten, dass es kein endgültiges Ende gewesen ist.

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