Sport : Attacke am Berg

Jan Ullrich kann wieder auf Platz drei hoffen – Serrano gewinnt die 18. Etappe

Hartmut Scherzer[Mende]

Er hat bittere Stunden erlebt bei dieser Tour de France, aber nie resigniert. Jetzt konnte Jan Ullrich mit seinem Kampfgeist auch einmal ein Zeichen setzen. Als Sieger der 18. Etappe fuhr zwar der Spanier Marcos Serrano ins Ziel, aber ein bisschen durfte sich auch Ullrich als Gewinner fühlen. Am steilsten Stück der 92. Tour de France nahm der T-Mobile-Kapitän dem Dänen Mickael Rasmussen 37 Sekunden ab, reduzierte den Rückstand auf Platz drei vor dem Zeitfahren am Samstag auf 2:12 Minuten. Die sind für einen Spezialisten wie den zweimaligen Weltmeister zu packen. Das Podium in Paris ist für den Sieger von 1997 wieder etwas näher gerückt. „Nur bei einer so steilen Anfahrt kann man attackieren“, sagte Ullrich im Ziel in Mende. „Bei Bergen der zweiten oder dritten Kategorie fährt doch jeder jedem hinterher.“

Ullrich, Vierter des Gesamtklassements, konnte auf dem 3,1 Kilometer kurzen Anstieg mit zehn Prozent Steigung die Antritte von Ivan Basso und Lance Armstrong parieren, ließ sich nie aus dem Rhythmus bringen. Er blieb im Sattel, selbst wenn die beiden zusammen mit Cadel Evans das Tempo forcierten und mal ein paar Meter Abstand herausholten. Er kam immer wieder heran.

Nach der Passage der 1084 Meter hohen Cote de la Croix-Neuve spurtete das Quartett auf den letzten 1,5 Kilometern über das Hochplateau des Flughafens. Evans, Armstrong, Basso und Ullrich kamen gemeinsam im Ziel an. 37 Sekunden später folgte das Trio Alexander Winokurow, Rasmussen und Levi Leipheimer vom Team Gerolsteiner. Damit ergaben sich kleine Änderungen in der Gesamtwertung: Rasmussen verlor Zeit gegen Ullrich, Evans (7.) und Winokurow (8.) tauschten erneut die Plätze. „Ich habe gekämpft, um Rasmussen etwas Zeit abzunehmen“, sagte Ullrich. Bei großer Hitze hatte er gezeigt, dass er, fast traditionell, in der dritten Tour-Woche am besten in Form ist. Ullrich hatte noch ein zweites Erfolgserlebnis. Weil Matthias Kessler die richtige Fluchtgruppe ohne einen Mann von Discovery Channel erwischt hatte, holte sich das T-Mobile-Team den am Vortag verlorenen ersten Platz in der Mannschaftswertung von Armstrongs Equipe zurück.

Elf Minuten auf Discovery Channel gutgemacht, 37 Sekunden auf Rasmussen: Zufrieden kehrten die T-Mobile-Radler in ihr Quartier im Hotel Urbain V zurück. Heute, auf der 19. Etappe, soll sich Jan Ullrich schonen: für das Zeitfahren.

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