Attraktivere Spiele : Oliver Bierhoff denkt an Fußball ohne Abseitsregel

Jetzt stellt auch Oliver Bierhoff eine bisher fundamentale Fußballregel in Frage: das Abseits. Ein bisschen kreatives Chaos könnte dem Spiel tatsächlich gut tun.

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Gewinnbringend lächeln. Oliver Bierhoff versteht es, die Nationalelf zu vermarkten.
Gewinnbringend lächeln. Oliver Bierhoff versteht es, die Nationalelf zu vermarkten.Foto: dpa

Er verdankt einen Teil seiner Popularität einer Regel, die es nicht mehr gibt. Ein Fußballspiel hört jetzt in der Verlängerung nicht mehr auf, wenn das entscheidende Tor gefallen ist, so wie noch im Finale der Europameisterschaft 1996, als Oliver Bierhoff die deutsche Nationalelf per Golden Goal zum Titel schoss. Jetzt kann sich Bierhoff sogar vorstellen, die Regel abzuschaffen, über deren Anwendung bei fast jedem Spiel gestritten wird, die angeblich Kenner und Ahnungslose im Fußball auseinanderhält: das Abseits.

Wird das aus Fußball ein anderes Spiel machen?

Man stelle sich nur vor, dass dann immer vorne im Strafraum ein Stürmer alleine auf den Ball lauert, bereit zum Dauerduell mit dem Torwart. Kann so kommen, kann aber auch ganz anders werden. „Wenn man nur mal sieht, wie positiv sich trotz der anfänglichen Skepsis die Rückpassregel aufs Spiel ausgewirkt hat. Warum also sollte nicht auch der Wegfall der Abseitsregel das Spiel attraktiver machen?“, fragt Bierhoff, seit 2004 Manager der Nationalmannschaft, in einem Interview mit „Sport Bild“. Eine Testphase sei es auf jeden Fall wert.

Zwei Stürmer wollen Veränderungen: van Basten und Bierhoff

Gerade beim jüngsten großen Turnier, der Europameisterschaft 2016 in Frankreich gab es doch einige Klagen über den mangelnden Unterhaltungswert der Spiele. Das lag nicht nur daran, dass beinahe jeder mitspielen durfte. Es hat auch mit der Dominanz der Taktik zu tun. Eine Fußballmannschaft ist inzwischen eine einzige Verkettung, die sich auch noch ständig im Spiel ändert. Da bleibt immer weniger Platz zum Austoben.

Ein bisschen Chaos könnte dem Spiel gut tun. Und das entstünde durch neue Freiräume für Stürmer. Wer wüsste das nicht so zu schätzen wie der ehemalige Stürmer Oliver Bierhoff? Er nimmt damit eine Vorlage auf, die ein anderer großer Stürmer eingebracht hatte. Der Holländer Marco van Basten arbeitet gerade im Auftrag des Weltverbands Fifa an neuen Ideen. Spiel ohne Abseits ist eine, Spiel mit Auszeiten eine andere.

In Bierhoff könnte er einen einflussreichen Mitstreiter gefunden haben. Nur stellt sich bei Bierhoff oft die Frage: Aus welchem Interesse redet und handelt der 48-Jährige, wenn er die Vermarktungsmaschine Nationalelf auf Hochtouren hält? Geht es um Fußball als Sport? Oder um Fußball als Geschäft? Seine besten Auftritte hat er, wenn beides zusammenkommt. Langweiliger Fußball lässt sich nicht schönreden. Und auch nicht gut vermarkten.

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