Sport : Auch der Ball ist eine Banane

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Helmut Schümann über die logische Konsequenz aus der Pfälzer Finanzpolitik

War es also doch nur die Spitze des Eisberges, die wir im Sommer des Jahres kurz vor Saisonbeginn diskutierten? Der Fall Jens Nowotny: Der Nationalspieler soll bei seinem Wechsel vom Karlsruher SC zu Bayer Leverkusen neben einem immensen legalen Gehalt auch noch illegal eine fünfstellige Summe Handgeld kassiert haben. Der Fall Christoph Daum: Der einst designierte Bundestrainer soll im Zuge der Vertragsverhandlungen mit dem DFB von Schwarzgeldern gesprochen haben, die er in seiner Zeit als Trainer eben dieser Leverkusener bezogen habe und von denen das Finanzamt nichts wisse. Da gellte ein Aufschrei durch die Republik, um so schriller, weil doch der Fußball gerade durch die wunderbare Weltmeisterschaft wieder Glückseligkeit transportierte und die Gesundung wenigstens einer kleinen Welt in Deutschland verhieß: Also doch! Auch der Fußball, unser Fußball – so korrupt, so verderbt, so bananenrepublikanisch wie Parteien und Konzerne!

Vielleicht war es die Unlust an der Wirklichkeit, die den Aufschrei so schnell verstummen ließ, vielleicht glaubten wir deshalb zu gerne den Beteuerungen, dass der gute Nowotny ein guter Libero und ein guter Steuerzahler ist, dass Daums Gerede nur Erfindung war und vor allem, dass die Branche dergleichen Praktiken nicht kennt. Die Spitze des Eisberges, wenn es denn eine war, sie schmolz dahin in der Augustsonne. Hauptsache, der Ball rollt weiter.

Aber wir haben wohl zu schnell geglaubt, allzu schnell. Oder soll man nun ernsthaft annehmen, nur beim verlotterten 1. FC Kaiserslautern (siehe nebenstehenden Bericht) ginge es teuflisch zu? Dazu decken sich die jetzigen Enthüllungen beim Pfälzer Mauschelklub zu genau mit den Erkenntnissen der Oberfinanzdirektion Münster aus dem Februar 2000. „Informationen zum Steuerstrafrecht für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland“ hatten die Fahnder ihr Elaborat betitelt, und nicht „…für den Betzenberg“. Und im Gebiet der Bundesrepublik hatten sie ja auch ermittelt. Sie werden gestern in Münster erst einmal triumphierend aufgesprungen sein bei den Meldungen aus Kaiserslautern – weil sie das alles schon wussten. Und dann werden sie resignierend in ihre Sessel zurückgeplumpst sein – weil sie niemand gehört und kein Staatsanwalt reagiert hat.

Es ist nicht schwer zu prophezeien, dass die Liga nun geschlossen auf die bösen Herren im Südwesten der Republik zeigen wird, dass sie sich entsetzt gibt über die dortigen Praktiken und empört über die mangelnde Moral, die ansonsten allerorten aller Ehren wert und herrschend ist. Ist es indes wirklich nur wüste Spekulation, dies in Abrede zu stellen? Ist es wirklich unstatthaft, von Boris Beckers Verhältnis zum Steuerrecht auf das einer ganzen Branche zu schließen? Vom freidemokratischen und christdemokratischen und sozialdemokratischen Verständnis von Spenden auf fußballerisches von Bilanzen? Von der Republik auf einen kleinen gesellschaftlichen Teil dieser Republik? Soll heißen, dass es eher schwer denkbar ist, dass sich ausgerechnet die Luxusbranche Fußball anderer, nämlich sauberer, Methoden bedient als sie in weiten Teilen des Restlandes Mode sind.

Allein, man kann eine solche Gesamtschuld annehmen, mehr nicht. Was man nicht kann, ist sie konkret zu benennen. Noch nicht. Es sei denn, die Staatsanwaltschaften würden das Fazit der Münsteraner Oberfinanzdirektion, mindestens Betriebsprüfungen bei allen Profivereinen der ersten und der zweiten Liga durchzuführen, auch einmal praktisch umsetzen (übrigens, ein Blick in die dritte und vierte und fünfte Liga würde möglicherweise auch lohnen). Es scheint an der Zeit zu sein.

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