Sport : Auch der zweite Mann patzt

Unions Torwart Wulnikowski war nach dem 1:1 in Ahlen untröstlich wegen seines Fehlers

Felix Meininghaus

Von Felix Meininghaus

Ahlen. Nach dem Spiel führte der erste Weg von Steffen Menze in die Fankurve des 1. FC Union. Wie sich das für einen vorbildlichen Kapitän gehört. Danach schnappte sich der Defensivmann seinen Torwart Robert Wulnikowski und redete intensiv auf ihn ein. Über den Inhalt des Dialogs gab Steffen Menze auf dem Weg in die Kabine Auskunft. Er habe Wulniskowski gesagt: „Du darfst jetzt den Kopf nicht hängen lassen. Mach einfach weiter und blick nach vorn. Es wird schon werden.“

Robert Wulnikowski war nach dem Spiel bei LR Ahlen zu solch zuversichtlichen Tönen nicht in der Lage. 1:1 (0:1) hatte Union gespielt, doch der Torhüter verließ den Rasen des Wersestadions mit hängendem Kopf. Sein Mitspieler Jiri Balacarek schob ihn in den Kabinentrakt, wort- und grußlos verließ Unions Unglücksrabe die westfälische Kleinkunstbühne.

Die Depression war nachvollziehbar. Schließlich war dem Mann, der vor Wochenfrist für den schwächelnden Sven Beuckert ins Union-Tor gerückt war, in der ersten Hälfte ein kapitaler Fehler unterlaufen: Nach rund einer halben Stunde Spielzeit ließ Wulnikowski an der Strafraumgrenze einen harmlosen Flankenball fallen und ermöglichte Ahlens Tim Gorschlüter den Führungstreffer. Die Vermutung, dass beim 1. FC Union nun die Torwartdiskussion wieder von vorne losgeht, hält Steffen Menze für „Quatsch. Für mich ist das überhaupt kein Thema“.

Auch Trainer Mirko Votava stellte sich nach der Begegnung demonstrativ vor seinen Keeper. „Gegen Eintracht Frankfurt hat er uns einen Punkt gerettet, heute hat er gepatzt. So einfach ist das. Er wird bei uns im Tor bleiben.“ Derzeit haben sie beim 1. FC Union ganz andere Sorgen, als sich darüber den Kopf zu zermartern, wer die Bälle festhalten soll. Zum Beispiel, wie die spielerische Armut abzustellen ist, mit der sich die Mannschaft nach dem Rückstand in Ahlen beinahe aller Erfolgschancen beraubt hätte. Mit dem 0:1 war auch der letzte Rest an Selbstsicherheit verflogen, Union hatte Glück, bis zur Halbzeit nicht spielentscheidend in Rückstand geraten zu sein.

Auch nach dem Wechsel taten die Berliner wenig, um Spiel und Gegner in den Griff zu bekommen. Jedenfalls bis zum Ausgleich, der nach 63 Minuten ähnlich unverhofft fiel wie die Ahlener Führung. Als die Hintermannschaft der Gastgeber kollektiv die Arbeit einstellte, weil sie auf Abseits spekulierte, schnappte sich der Bulgare Kostadin Widolow den Ball und hob ihn mit viel Gefühl ins Tor.

Erst danach demonstrierte Union, dass die Mannschaft durchaus in der Lage ist, auch ansehnlichen Fußball zu bieten. Erst aufgrund der starken Schlussphase verdienten sich die Köpenicker den Punktgewinn, von dem auch Votava nachher sagen konnte, „das geht in Ordnung so“. Eine knappe halbe Stunde ist indes ein bisschen wenig, um die Negativserie von mittlerweile neun Punktspielen ohne Sieg beenden zu können. Daran hat auch die Verpflichtung von Mirko Votava bislang noch nichts ändern können. Zwei von neun möglichen Punkten gab es unter seiner Regie. „Wir haben uns hier in Ahlen wirklich gut verkauft“, sagte der Trainer nach dem Spiel im Brustton der Überzeugung. Ein Fazit, das nur einen Schluss zulässt: Beim 1. FC Union sind sie mittlerweile verdammt bescheiden geworden.

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