Sport : Auch ein Vorreiter stürzt mal vom Pferd

Karsten Doneck

Wilfried Straub kommt recht selbstbewusst daher. "Mir ist", sagt der Liga-Boss vom Deutschen Fußball-Bund, "kein Fall bekannt, in dem das Votum des DFB auf diesem Weg noch gekippt wurde." Dieser Weg, den Straub meint, führt vor das Landgericht Frankfurt (Main), auf ihm wandelt Tennis Borussia. Der Berliner Zweitligist wehrt sich vor einem ordentlichen Gericht, unter Umgehung der nächstern DFB-Instanz, gegen den wegen fehlender wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit ausgesprochenen Lizenzentzug. Endet dieser Weg wirklich in der Sackgasse, wie Straub meint?

Es gibt Warnsignale für den DFB, sich seiner Sache nicht allzu sicher zu sein. Nicht nur, weil der TeBe-Sponsor, die Göttinger Gruppe, über recht fähige Köpfe in seiner Rechtsabteilung verfügt. Nein, die DFB-Herren haben mit der Zulassung von Kapitalgesellschaften am Profi-Spielbetrieb ja auch Neuland betreten, aber ihre alten Paragraphen, so zumindest die Sicht der Tennis Borussen, nicht entsprechend angepasst.

TeBe spielt dabei mit dem Feuer. Der Klub wusste seit Ende April über die Forderung des DFB nach zusätzlichen Sicherheiten Bescheid. Es wäre im Zeitraum bis zum Lizenzentzug vielleicht auch auf normalem Verhandlungswege oder durch Geldbeschaffung eine gütliche Einigung möglich gewesen. Aber TeBe schaltete auf stur, war wohl von vornherein auf ein Grundsatzurteil aus.

TeBe hat damit eine Vorreiterrolle für andere Interessenten übernommen, die dem Trend der Zeit folgen und an Stelle von normalen Vereinen lieber Kapitalgesellschaften ins Spielgeschehen schicken wollen. Aber auch ein Vorreiter kann schon mal böse vom Pferd stürzen.Aus der Tagesspiegel-Serie "Im Spiegel des Tages"

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