Sport : Auch Grönemeyer kann nicht helfen

Werder Bremen demütigt den VfL Bochum mit einem 6:0 in dessen Stadion und ist nun Tabellenführer

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Vor dem Anpfiff war die Stimmung noch großartig unter den Fans des VfL Bochum. Herbert Grönemeyer unterzeichnete einen Mitgliedsantrag und verlas anschließend die Aufstellung seiner Lieblingsmannschaft. Später musste der aus Bochum stammende Popsänger auf der Ehrentribüne miterleben, wie der VfL beim 0:6 gegen den neuen BundesligaSpitzenreiter Werder Bremen im eigenen Stadion gedemütigt wurde. Der Bochumer Kapitän Thomas Zdebel fasste das Desaster angemessen zusammen: „Bei uns hat alles gefehlt. Jetzt kommen schwere Wochen auf uns zu.“ Während die Westfalen als Tabellenletzter in einer sportlichen Sackgasse stecken, zeigte sich Werder-Trainer Thomas Schaaf erfreut darüber, „dass wir weiter unseren Weg gehen können“. Sein Gegenüber Marcel Koller sagte, seine Profis hätten „Werder schalten und walten lassen“ und dem Gegner zeitweise „nur zugeguckt“.

Die Bremer besaßen von Beginn an alle Freiheiten, die sich eine Mannschaft in der Bundesliga wünschen kann. Der Meisterschaftskandidat beherrschte Bochum im Stile einer Heimelf. Von den vielen Gelegenheiten, die sich im ersten Abschnitt boten, nutzten die Hanseaten nur eine einzige. Das Zustandekommen des Führungstreffers skizzierte den Eindruck, der sich im Laufe des Spiels mehr und mehr verfestigte. In der Szene, die zum 0:1 führte, kamen drei Bremer unweit des Bochumer Tores zum Schuss, ehe Aaron Hunt die Kugel schließlich an ihren Bestimmungsort beförderte.

Anschließend versäumte es der Favorit, den Vorsprung frühzeitig auszubauen. Die Bochumer erstarrten in Ehrfurcht und ließen den Gegner nach Herzenslust kombinieren. Wenn sie ausnahmsweise in aussichtsreiche Position kamen, wirkten sie im Abschuss unbeholfen. Nach etwa einer halben Stunde drosselten die Bremer vorübergehend die Produktion von Torchancen, als wollten sie für die zweite Halbzeit einen Rest an Spannung erhalten.

Dem VfL blieb nur die Hoffnung, dass sich die Geschichte des Spiels in Bielefeld wiederholen würde. Die Arminia war in Bochum Opfer ihrer eigenen Überheblichkeit geworden und hatte eine knappe Führung trotz anfangs großer Überlegenheit noch verspielt. In der Pause bezeichnete Herbert Grönemeyer die Leistung des VfL als „sehr dünn“. Doch sie wurde noch viel dünner. In der Anfangsphase des zweiten Durchgangs keimte ein wenig Hoffnung auf bei den Einheimischen. Trojan und Zdebel verfehlten knapp das Ziel. Weil Werder aber mehr Klasse besitzt als Bielefeld, gelang es dem VfL in dieser Partie nicht mehr, die Wende herbeizuführen. Mittelfeldspieler Christian Schulz machte die Bochumer Hoffnungen mit dem Treffer zum 2:0 alsbald wieder zunichte.

Danach gaben die Bremer den VfL der Lächerlichkeit preis. Jurica Vranjes, Regisseur Diego, Clemens Fritz und Naldo machten die Partie mit ihren Toren zu einem Debakel für die überforderten Bochumer. Ein Teil der VfL-Fans forderte, nicht zum ersten Mal, den Rauswurf des Trainers. Doch Marcel Koller gab sich nach dem Schlusspfiff kämpferisch. „Wir müssen das 0:6 schnell vergessen und wieder aufstehen.“ Das dürfte nicht leicht werden.

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