Sport : Auch heute gegen Gdynia ruht Albas Hoffnung auf Thompson

Jörg Leopold/Lars Spannagel

Berlin - Neulich, im Spiel gegen Frankfurt, stieß Deon Thompson in eine neue Dimension vor. Der 24-Jährige ist ohnehin erfolgreichster Punktesammler bei Alba Berlin in dieser Saison, mit seinen langen Armen und seiner Explosivität ist er in Korbnähe die wichtigste Offensivoption der Berliner Basketballer. Gegen die Frankfurter tauchte Thompson aber plötzlich auch an der Dreierlinie auf und traf mit einem erstaunlich sauberen Sprungwurf aus der Distanz. „Ich möchte ein guter Dreierschütze werden, daran arbeite ich“, sagt Thompson. Sollte ihm das gelingen, würde er für Alba noch unverzichtbarer werden – und womöglich unbezahlbar.

Auch heute im Euroleague-Spiel gegen den Polnischen Meister aus Gdynia (19 Uhr, Arena am Ostbahnhof) werden viele Angriffe über den Power Forward laufen. Mit einem Sieg gegen den Tabellenletzten der Gruppe B wäre Alba so gut wie sicher in der Zwischenrunde, sollte Elan Chalon parallel bei Maccabi Tel Aviv verlieren, stünden die Berliner sogar vorzeitig unter den besten 16 Teams Europas. Allerdings gelang den Polen ihr bislang einziger Sieg gegen Alba.

In der Euroleague steht kein anderer Alba-Profi so lange auf dem Feld wie Deon Thompson, mit 15 Punkten pro Spiel ist er bester Berliner Werfer, auch 6,1 Rebounds und ein geblockter gegnerischer Wurf pro Partie sind Bestwerte im Team. Kein anderer Spieler im gesamten Wettbewerb hat an den bisherigen sieben Spieltagen so oft aus der Zweipunkt-Nahdistanz getroffen. „Er ist ein wichtiger Faktor für uns, aber er ist nicht der einzige“, sagt Trainer Sasa Obradovic nüchtern. „In der Euroleague hilft er uns mit seiner Erfahrung aber sehr weiter.“

Immerhin eine Saison hat Deon Thompson bereits auf höchstem europäischen Niveau gespielt, im vergangenen Jahr stand er in Ljubljana unter Vertrag. „Dort habe ich gelernt, jede Gelegenheit, die sich bietet, zu nutzen“, sagt der gebürtige Kalifornier. Im Angriff wirft Thompson oft einfach über seine Gegenspieler hinweg oder setzt seine Muskeln ein, um sich durchzutanken. In der Verteidigung ist er leichtfüßig genug, um schnellere Spieler am Durchbruch zum Korb zu hindern. Und wenn er seine Krakenarme ausfährt, schreckt mancher Gegner ohnehin zurück und passt den Ball lieber gleich weiter.

Was Thompson zur europäischen Extraklasse auf seiner Position fehlt, ist ein verlässlicher Distanzwurf von der Dreierlinie. „Wenn man sich die anderen Power Forwards in der Euroleague anschaut, dann können das fast alle“, sagt er. „Da möchte ich mich verbessern.“ Obradovic hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er in der Lage ist, seine Spieler weiterzuentwickeln, einen wirklichen Bedarf dafür sieht der Serbe bei Deon Thompson aber nicht. „Ich sehe ihn nicht unbedingt als Schützen von außen, sondern eher unter dem Korb“, sagt Obradovic.

Am vergangenen Sonntag in Bremerhaven konzentrierte sich Deon Thompson in der entscheidenden Szene auf sein Kerngeschäft. Unmittelbar vor der Schlusssirene angelte er sich einen Offensivrebound und tippte den Ball zum 70:69-Siegtreffer in den Korb. Und solange er die Dinge erledigt, für die ihn Alba verpflichtet hat, lässt ihn Obradovic vielleicht ab und zu auch an der Dreierlinie herumgeistern.Jörg Leopold/Lars Spannagel

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