Sport : Auch sportlich ganz unten

Martina Tesche

Deprimiert schlich Christian Krüger vom Eis. Der Torhüter der Berlin Capitals hatte zuvor bei der 5:7-Niederlage im entscheidenden siebten Spiel um den Abstieg aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gegen Schwenningen nicht besonders souverän gewirkt. Einen Vorwurf machte dem 18-Jährigen niemand. Schließlich hatte Krüger, der sonst in der Regionalliga für die Young Capitals spielt, erst 20 Minuten DEL-Erfahrung, bevor er im womöglich wichtigsten und vielleicht auch letzten Spiel der Capitals-Vereinsgeschichte aufs Eis musste. Schuld daran war Andrej Mezin. Der Weißrusse hatte sich gestern Morgen grußlos in Richtung Heimat abgesetzt, um an der B-WM-Vorbereitung seiner Nationalmannschaft teilzunehmen. Der Flug war angeblich schon vor drei Wochen gebucht worden.

Sprecher Lorenz Funk resignierte in wenigen Worten. "Wenn er es so will ...", schickte er Mezin nach. Dabei traten die Capitals wie ihre Gegner aus Schwenningen ohnehin mit dem letzten Aufgebot an. Die Wild Wings brachten gar nur 14 Feldspieler mit in die Deutschlandhalle. Dort erwischten die Berliner vor 2000 Zuschauern den besseren Start. Verteidiger Atvars Tribuncovs erzielte nach sechs Minuten die Führung, der Corey Foster in der 14. Minute das 2:0 folgen ließ. Kurz darauf sorgte Kent Simpson jedoch für den Anschlusstreffer für Schwenningen.

Auch danach waren die Capitals die gefährlichere Mannschaft. Trotzdem lagen sie am Ende des Drittels mit 2:4 zurück. Der überraschende Ausgleich von Jeff Nelson öffnete den Wild Wings die Augen. Die vielen Abpraller des unerfahrenen Christian Krüger veranlassten sie dazu, aus allen Lagen zu schießen. Folgerichtig gingen sie durch Gerhard Unterluggauers Powerplay-Tor nach 37 Minuten in Führung. Kurz zuvor hätten sie fast wieder zurückgelegen, als ein Schwenninger Verteidiger seinem Torwart Ian Gordon den Puck an den Schlittschuh schoss. Berlins Trainer Gunnar Leidborg jubelte. Doch Schiedsrichter Trainer entschied sich für den Videobeweis und danach dafür, das vermeintliche Tor nicht anzuerkennen.

Am Anfang des letzten Drittels erhöhte Kent Simpson auf 5:2. Zwar verkürzten Aleksandrs Kercs und Petri Kujala mit einem Doppelschlag in der 51. Minute noch einmal für die Capitals. Auch nach dem 6:4 für Schwenningen durch Dave Chyzowski (58.) gaben die Berliner nicht auf. Wiederum Kercs sorgte eine Minute später noch einmal für Hoffnung. Als Neal Martin in der Schlussminute zum 7:5 ins verwaiste Berliner Tor traf, waren jedoch alle Hoffnungen der Capitals zerstört, nach dem Lizenzentzug wenigstens den sportlichen Abstieg aus der DEL zu verhindern und danach auf ein wirtschaftliches Wunder zu warten.

Trainer Gunnar Leidborg war entsprechend frustriert, konnte sich einen kleinen Seitenhieb in Richtung Mezin aber nicht verkneifen. "Ich ziehe den Hut vor allen, die bis zum Ende gekämpft haben", meinte Leidborg. "Manche haben das nicht getan." Einmal in Fahrt, machte der Schwede auch seinem Ärger darüber Luft, dass man den Capitals sechs Punkte abgezogen hatte, den ebenfalls finanziell angeschlagenen Moskitos Essen aber nicht: "Eigentlich hätten wir diese Serie gar nicht spielen dürfen." Dafür ist es jetzt zu spät, die Capitals sind abgestiegen. In welche Liga, wird die Zukunft zeigen.

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