Sport : Auch von Otto Schily kommt kein Signal

SEBASTIAN ARLT

BADEN-BADEN .Helmut Digel, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), hatte, angesprochen auf die Rede von Bundesinnenminister Otto Schily beim Bundestag des Deutschen Sportbundes (DSB), bereits vor einer Woche erklärt: "Ich habe nicht den Eindruck, daß von Rot-Grün wegweisend Neues kommt." Und es war dann auch so.Otto Schily (SPD) stellte gestern in Baden-Baden Mittel für den Goldenen Plan Ost (Sanierung und Bau von Sportstätten in den neuen Bundesländern) in Aussicht und gab für die neue Regierung ein Bekenntnis zum Spitzensport ab.

Und die Dopingbekämpfung? Gerade die Ausführungen Schilys zu diesem Thema waren mit Spannung erwartet worden.Hatte der Bundesinnenminister doch noch vor einer Woche von "aktiver Einmischung" der Bundesregierung gesprochen.Mit dem DSB-Präsidenten Manfred von Richthofen sei er nicht einer Meinung, was staatliche Maßnahmen betreffe.Doch am Freitag hörte sich das alles etwas anders an.Der Staat als Dopingfahnder, wie von Digel oder Olympiasieger Dieter Baumann gefordert, ist kein rot-grünes Ziel.Es heißt also: weiter so.Schily: "In erster Linie ist der Sport auf nationaler und internationaler Ebene gefordert, notwendige Kontrollen sicherzustellen und Sanktionen gemeinsam abzustimmen." Die Politik sei bereit, "da unterstützend einzugreifen, wo die Mittel des Sports nicht weiterhelfen".Da ist Spielraum, eine neue Initiative, gar eine Ankündigung, Geld zweckgebunden für Doping-Nachweisverfahren zur Verfügung zu stellen, gab es nicht.Kein Signal von Schily, der Erwartungen geweckt hatte.Richthofen indes hörte die Worte Schilys gern.Schließlich waren sie in seinem Sinne: "Den Sport aus seiner Verantwortung zu entlassen, würde ich als falschen Weg sehen." Richthofen und Schily hatten sich übrigens im Vorfeld telefonisch abgestimmt.Schily: "Wer was reingeheimnissen will zwischen Herrn von Richthofen und mir, der irrt sich."

Der Sport wirkt eher hilflos bei dem, was gerade wieder in letzter Zeit auf ihn eingestürzt ist: Positive A- und B-Proben bei Uta Pippig, Anklagen der Schwimmer Warnecke und Bremer, Aussagen des Mediziners Graff, der Dopingsünder in der Laufszene bloßstellen wollte, aber mit seinen Andeutungen über zwei Mittelstreckenläufer nur ein Klima aus Verdächtigungen und Unterstellungen schaffte.Oft gleicht der Kampf gegen Doping nur einem Stochern im Nebel.

Noch ist es eine Minderheit, die härtere Maßnahmen des Staates fordert.Bis hin zu Baumann, der sich vorstellen könnte, die Doping-Bekämpfung ganz in staatliche Hände zu legen.Und auch in der Regierung scheinen (noch) nicht alle auf (Schily-) Linie zu sein.Parteifreund Friedhelm Julius Beucher, der neue Vorsitzende des Sportausschusses, hält den Sport "in seiner Autonomie mit dem Dopingproblem überfordert".Hamburgs SPD-Innensenator Wrocklage bezeichnete das Vorgehen der französischen Polizei bei der Tour de France als richtungsweisend.Der Grüne Winfried Hermann forderte derweil einen Sonderbeauftragten des Bundes für Dopingangelegenheiten.An Ideen mangelt es offenbar nicht.

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