Sport : Auf Abstand

Nach Michael Schumachers Misserfolgen zeigt sich die Wahrheit: Die italienischen Fans lieben ihn nicht

Vincenzo Delle Donne[Mailand]

Das Verhältnis der italienischen Ferrari-Fans zu Michael Schumacher ist wie das der Italiener zu den Deutschen: Sie achten ihn, aber sie lieben ihn nicht. Wenn der ehemalige Dauersieger in der Formel 1 dann auch noch patzt wie ein ganz gewöhnlicher Fahrer, bricht das kühle Verhältnis der italienischen Motorsportfans zu ihm wieder auf. Das hat Michael Schumacher nach seinem Ausfall nach Reifenschaden im Großen Preis von Barcelona erneut erfahren dürfen.

So schrieb die italienische Sportzeitung „Gazzetta dello Sport“: „Das Problem sind nicht bloß die Reifen – leider.“ Und „La Republicca“ erklärte: „ Für Ferrari und Schumacher ist es ein Leidensweg geworden. Ist es wirklich nur die Schuld der Reifen?“ Immer deutlicher rückt der Pilot und damit Michael Schumacher in die Kritik, dessen Rückstand in der Fahrerwertung auf den führenden Spanier Fernando Alonso auf 34 Punkte angewachsen ist. Womöglich haben die kritischen Ferrari-Fans Schumacher nicht verziehen, dass er früher mit allen Mitteln um Siege gekämpft hat. Und dabei mitunter auch über die Grenzen der Fairness hinausgegangen ist.

Ferrari-Präsident Luca Cordero di Montezemolo versucht nun, von seinem Fahrer abzulenken, der nach fünf Grand-Prix-Rennen in dieser Saison erst zehn WM-Punkte gesammelt hat. „Es war ein riesengroßes Problem, das allein mit den Reifen im Zusammenhang steht“, sagte Montezemolo nach dem Desaster von Barcelona. Damit stellte er sich demonstrativ vor seinen Fahrer. Nicht Schumachers Fehler seien an Ferraris prekärer Situation Schuld sondern die Regeländerungen. Montezemolo sagte: „Die jüngsten Änderungen des Reglements, die ich für die Formel 1 nicht für geeignet halte, wurden weitgehend erlassen, um die Übermacht von Ferrari einzudämmen.“ Diese Kritik richtete sich insbesondere an den Formel-1-Chef Bernie Ecclestone, der die Regeländerungen durchsetzte.

Was Schumachers Image-Probleme angeht, ist Montezemolo ein erprobter PR-Profi. Als Schumacher 1997 beim letzten Saisonrennen durch einen Rempler Jack Villeneuve um den WM-Titel bringen wollte, brach harsche Kritik über ihn herein. Auf Anweisung des damaligen Fiat-Präsidenten Gianni Agnelli flog Montezemolo nach Spanien und konnte die öffentliche Meinung positiv beeinflussen. Inzwischen fehlt ihm aber die Zeit, sich intensiv um Schumacher zu kümmern. Montezemolo ist seit einigen Monaten Präsident des angeschlagenen Fiat-Konzerns und des italienischen Arbeitgeberverbandes.

Als Schumacher in den vergangenen Jahren einen WM-Titel nach dem anderen sammelte, stellten sich die Tifosi die Frage, wem der wichtigere Anteil am Erfolg gebühre: dem Ferrari-Gefährt oder dem Piloten. Viele meinten in den letzten Jahren, dass Michael Schumachers Leistung bedeutsamer sei. Jetzt muss er damit leben, dass die Tifosi ihn gerade deswegen schnell für den Misserfolg verantwortlich machen. Verloren gegangene Sympathiepunkte kann er kaum wieder gut machen, denn er spricht nach langen Jahren bei Ferrari immer noch nur bruchstückhaft Italienisch. Die wenigen Worte, die er in Interviews einwirft, wirken einstudiert.

Der Jubel über Schumachers siebten WM-Titel ist längst der Trauer über seine jüngsten Misserfolge gewichen. Er sei zu kalt und gefühllos, kritisierte Schumachers einstiger Arbeitskollege Eddie Irvine. „Wenn ein anderer Pilot fünf Weltmeisterschaften in Folge gewonnen hätte“, sagte der Ire, „dann hätte ihn die italienische Ferraristi-Gemeinde längst heilig gesprochen.“ Schumacher indes lässt die Italiener immer öfter kalt. Drei Millionen Zuschauer weniger als üblich verfolgten am Sonntag die Live-Übertragung aus Barcelona.

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