Sport : Auf Adrenalin

Nach der dramatischen Halbfinalserie gegen Braunschweig glauben die Basketballer von Alba Berlin an den siebten Meistertitel

Benedikt Voigt

Berlin. Nur Marko Pesic wollte noch nicht jubeln. Elf Sekunden vor dem Ende lärmten die meisten der 9000 Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle vor Freude, doch der Flügelspieler von Alba Berlin streckte beide Hände flach in Richtung Parkettboden. „Ruhig bleiben“, sollte das heißen. Wenn Marko Pesic in der Play-off-Serie gegen TXU Energie Braunschweig eines gelernt hat, dann das: Man darf sich nicht zu früh freuen.

Zwei Tage zuvor hatte Pesic im Speisewagen des ICE nach Berlin gesessen und hatte sich über Braunschweig gewundert. „Die haben zur Halbzeit schon durchgesagt, wo es die Tickets fürs Finale zu kaufen gibt“, sagte der Nationalspieler ungläubig, „das darf man nicht machen.“ Alba Berlin hatte Braunschweig bestraft, hatte das vierte Spiel in der zweiten Halbzeit nach einem Rückstand von 15 Punkten gewonnen. Nun aber, im fünften und entscheidenden Spiel, holte wiederum Braunschweig einen 13-Punkte-Rückstand auf und ging vier Minuten vor dem Ende sogar in Führung. Doch Pesic drehte das Spiel 50 Sekunden vor dem Ende mit einem Dreier aus acht Metern Entfernung noch einmal: 75:71. Der Sieg? „Ruhig bleiben“, bedeutete Pesic. Und die Schlusssirene abwarten.

Seit gestern verkauft Alba Berlin die Tickets für die Finalserie um die deutsche Meisterschaft gegen TSK Universa Bamberg. 3:2 siegten die Berliner Basketballer in einer dramatischen, hart umkämpften Halbfinalserie, die sich immer wendete, wenn sie schon entschieden schien. So ebenbürtig war Braunschweig, dass am Ende Kleinigkeiten entschieden. „Berlin war nur einen Tick besser“, sagte Braunschweigs Trainer Ken Scalabroni, und sein Gegenüber Emir Mutapci musste zugeben: „Wir hatten heute Glück.“ Bei dem Verletzungspech in dieser Spielzeit schien ihm das aber nur gerecht.

„Die Geschichte dieser Mannschaft ist, dass sie immer wieder aufsteht, wenn sie am Boden liegt“, sagte Marko Pesic. Alba musste gegen Braunschweig die letzten beiden Spiele gewinnen, und es gelang. Das spricht für den Willen dieser Mannschaft. Marko Pesic machte es selber vor. Für die Ärzte kamen seine Einsätze in den Spielen vier und fünf nach einer Handverletzung vor sechs Wochen zu früh. Doch der 26-Jährige wollte unbedingt spielen. „Ich musste für die Versicherung unterschreiben, dass ich auf eigenes Risiko spiele.“ Auch wenn Pesic in 18 Minuten nur sechs Punkte erzielte, hat es sich für Alba gelohnt. Seine Erfahrung und Emotionen lassen sich in einer Statistik nicht so einfach wiederfinden wie sein spielentscheidender Dreipunktewurf.

„Die rechte Hand tut noch weh“, sagte Pesic, „aber mit ein bisschen Adrenalin geht das schon.“ Ein ähnlicher Stoff muss zurzeit auch Mithat Demirel (9 Punkte, 8 Rebounds!) helfen. Wegen einer Fußprellung aus dem Play-off-Viertelfinale gegen Frankfurt (3:2) trainiert der Nationalspieler nicht mehr, sondern kann nur noch die Spiele bestreiten. Sobald Demirel das Feld verlässt, humpelt er, weil er den verletzten Fuß nicht belasten will. Der Aufbauspieler sagt: „Immer, wenn ich einen Tag Pause mache, wird es besser.“

Er bekommt nur keine Pausen. Am Sonntag bestreitet Alba Berlin das erste Finale bei TSK Bamberg (15.25 Uhr, live im DSF oder ab 15.40 Uhr auf der Großbildleinwand im Sony-Center). Es ist die neunte Finalserie in Folge für Alba Berlin. Die Qualifikation für die Europaliga hat der Titelverteidiger bereits sicher. „Jetzt wollen wir auch zum siebten Mal in Folge Deutscher Meister werden“, sagte Emir Mutapcic. Das dürfte nicht einfach werden, Bamberg bezwang in den Play-offs bereits die Titelfavoriten Köln (3:1) und Bonn (3:1). „Die haben jetzt ein unglaubliches Selbstvertrauen“, sagte Ken Scalabroni. Für Alba spricht nicht nur der Heimvorteil in der Best-of-five-Serie. „Berlin ist auf Herz und Nieren getestet worden“, sagte Scalabroni, „und hat die Prüfung bestanden.“

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