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Hertha siegt durch ein spätes Tor von Adrian Ramos 1:0 beim FSV Frankfurt und ist wieder Tabellenführer

Stefan Hermanns[Frankfurt am Main]
Hoch, höher, Hertha. Adrian Ramos freut sich über sein Kopfballtor und die Behauptung der Tabellenspitze, an der sich Greuther Fürth eine Nacht lang erfreut hatte. Foto: dpa
Hoch, höher, Hertha. Adrian Ramos freut sich über sein Kopfballtor und die Behauptung der Tabellenspitze, an der sich Greuther...Foto: dpa

Für den Erfolg im Fußball ist nicht immer nur die sportliche Qualität entscheidend, manchmal spielen auch andere Faktoren eine Rolle. Das Stadion zum Beispiel. Eine Arena wie die in Dortmund wird gemeinhin als „der zwölfte Mann“ bezeichnet, weil sie den Gegner in Angst und Schrecken zu versetzten vermag. Auch der FSV Frankfurt hat am Samstag im Zweitliga-Heimspiel gegen Hertha BSC darauf gesetzt, dass die Berliner ein wenig irritiert sein könnten von der Kulisse. „Für die ist das hier ein Nebenplatz“, hatte Kapitän Björn Schlicke gesagt. Doch nicht einmal davon ließen sich die Berliner beeindrucken. 1:0 (0:0) siegten sie durch ein Kopfballtor von Adrian Ramos kurz vor Schluss. Spätestens da hatte Hertha ein Heimspiel am Bornheimer Hang.

Die Rechnung von Björn Schlicke ging schon deshalb nicht auf, weil die Fans der Hertha unter den 7477 Zuschauern ordentlich Alarm machten. Richtig laut wurde es zwei Minuten vor Schluss. Als alles auf ein torloses Unentschieden hindeutete, setzte sich Christian Lell auf der rechten Seite durch, seine scharfe Flanke fand Ramos in der Mitte, und der traf zum 1:0. „Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft, weil sie gegen einen sehr guten Gegner kämpferisch alles gegeben hat“, sagte Herthas Trainer Markus Babbel. Durch den Erfolg, den sechsten Sieg im achten Spiel, eroberten sich die Berliner die Tabellenführung zurück, an der sich eine Nacht die SpVgg Greuther Fürth hatte erfreuen dürfen.

„Das spricht für unsere Qualität“, sagte Marco Sejna über die Entstehung des entscheidenden Tores. „Es war ein Topspielzug mit einem krönenden Abschluss. So muss man als Tabellenführer auftreten.“ Sejna hatte den perfekten Blick auf die Situation. Er stand in Herthas Tor und hatte das gesamte Spielfeld vor sich. Wie allgemein erwartet hatte Babbel den Routinier als Ersatzmann für den verletzten Maikel Aerts aufgeboten. „Das war eine Bauchentscheidung“, sagte Herthas Trainer. „Ehrlich gesagt kann ich das gar nicht richtig erklären.“

Ob Intuition oder durchdachter Plan – Sejna lieferte genau das, was Babbel von ihm erwartet hatte: Er strahlte Ruhe aus und half seiner Mannschaft damit über eine schwierige Phase zu Beginn des Spiels hinweg. In der fünften Minute kam Herthas Torhüter noch mit einer Hand an eine Flanke von Sven Müller und vereitelte damit eine gute Möglichkeit des FSV, anschließend musste der 38-Jährige zweimal gegen Sascha Mölders klären. Ein Kopfball von Mario Fillinger, der nach einer Ecke völlig frei stand, flog über sein Tor.

Die Berliner hatten die Frankfurter ins Spiel kommen lassen,nachdem sie die Begegnung zunächst wie ein Heimspiel angegangen waren und den Gastgeber mit ihrer Wucht sichtlich beeindruckten. Hertha attackierte früh, ließ den FSV gar nicht aus seiner Hälfte und hätte schon in der dritten Minute in Führung gehen können. Rob Friend aber lenkte eine Hereingabe des guten Nikita Rukavytsyia, der sich seinen Platz im rechten Mittelfeld vom jungen Nico Schulz zurückerobert hatte, über die Latte.

Insgesamt aber schafften es die Berliner zu selten, ihre latente Überlegenheit in ein klares Offensivspiel münden zu lassen. Trotzdem kamen sie zu einigen Gelegenheiten: Rukavytsya scheiterte mit einem Schuss aufs kurze Eck an Torhüter Patric Klandt. Auch Lewan Kobiaschwili und Raffael versuchten es vergebens mit Fernschüssen, und in der letzten Minute vor der Pause konnte Peter Niemeyer nach einer Ecke seinen Kopfball nicht präzise genug platzieren.

In der zweiten Hälfte hätten Raffael und Friend die Berliner in Führung schießen können, auf der anderen Seite hatten sie Glück, dass ein Schuss von Kobiaschwilli knapp am eigenen Tor vorbeiging. „Das war ein klassisches Zweitligaspiel, wo der Gegner am Limit spielt“, sagte Herthas Kapitän Andre Mijatovic. „Aber wir haben Cleverness und Moral gezeigt.“

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