Sport : Auf Altigs Spuren

Steffen Wesemann stürzt – und gewinnt die Flandern-Rundfahrt

Hartmut Scherzer

Meerbeke. Auch ohne Jan Ullrich und Erik Zabel feiern die deutschen Radprofis im Magenta-Trikot des T-Mobile-Teams Triumphe: Steffen Wesemann gewann gestern die 88. Flandern-Radrundfahrt. Genau vierzig Jahre, nachdem Rudi Altig als erster und bis jetzt einziger Deutscher diesen belgischen Klassiker gewonnen hatte. „Die Flandern-Rundfahrt ist in Deutschland sehr populär. Ich hoffe, dass sie durch mich nun noch populärer wird“, sagte Wesemann, noch nach Atem ringend.

Mit all seiner Klassiker-Routine hatte der 32-jährige Wahlschweizer, der aus Wolmirstedt bei Magdeburg stammt, im Spurt eines Spitzentrios die Belgier Leif Hoste und Dave Bruylandts hinter sich gelassen. Clever aus der dritten Position war Wesemann zum Sieg gespurtet. „Ich hatte zum Schluss die meisten Kräfte“, sagte er. Die Vorentscheidung hatte er an der Schlüsselstelle des Rennens 14 Kilometer vor dem Ziel gesucht. „Ich habe gepokert und alles auf den letzten Anstieg gesetzt“, sagte Wesemann.

Unterwegs hatte der T-Mobile-Profi, der zum engsten Kreis der Favoriten gezählt hatte, nicht mehr recht an einen Erfolg glauben wollen. „Ich bin nach 120 Kilometern gestürzt und habe gedacht, dass das Rennen für mich vorbei ist.“ Doch die Mannschaft ließ ihn nicht hängen. An der berühmt-berüchtigten Muur waren sieben Ausreißer wieder eingeholt. Wesemann griff an der steilen Steigung an, machte unwiderstehlich Tempo, auch über den Bosberg, den letzten Berg. Das schlimmste Stück und gleichzeitig die Schlüsselstellung unter den 18 gepflasterten Steigungen ist diese Mauer von Geraardsbergen, die vorletzten Rampe. Neue Pflastersteine ersetzen auf der tückischen Passage die wie kleine Felsbrocken herausragenden Kopfsteine.

Den Triumph des T-Mobile-Teams rundeten Andreas Klier als Sechster und Rolf Aldag auf dem siebenten Platz ab. Die Mannschaft Walter Godefroots, der hier selbst 1978 Sieger war, und Mario Kummers war bei jeder Aktion präsent und hatte das Rennen stets unter Kontrolle. Steffen Wesemann ganz besonders.

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