Sport : Auf breiten Schultern

Mit Shaquille O’Neal streben die Basketballer der Miami Heat nach dem Titel in der NBA

Benedikt Voigt

Berlin - Vor ein paar Jahren hat Shaquille O’Neal erzählt, was er nach seiner Basketballkarriere machen will. Schauspielerei, haben einige getippt, immerhin hat der mehrfache Millionär schon in den Filmen Kazaam, Blue Chips und Steel mitgewirkt. Rap-Musiker wäre auch eine Möglichkeit, denn der hünenhafte Basketballprofi nahm bereits fünf Hip-Hop-Platten auf und besitzt eine eigene Plattenfirma. Doch Shaquille O’Neal ist oft für Überraschungen gut, auch diesmal: Der 33-Jährige will als Strafverfolger arbeiten. „Ich will, dass die Leute über mich sagen, großartiger High-School-Spieler, großartiger College-Spieler, großartiger NBA-Spieler – und jetzt ist der Scheißkerl auch noch Sheriff.“

Doch bevor Shaquille O’Neal seinen 2,16 Meter großen und 147,4 Kilogramm schweren Körper in einen Streifenwagen quetschen wird, hat er ein etwas naheliegenderes Ziel. Der Centerspieler möchte mit seinem neuen Klub Miami Heat den Titel in der nordamerikanischen Profiliga NBA holen. Ein Vorhaben, das in dieser Saison durchaus realistisch ist, immerhin weist die Mannschaft von Trainer Stan Van Gundy nach den Phoenix Suns (62 Siege, 20 Niederlage) die zweitbeste Bilanz der Hauptrunde (59 Siege, 23 Niederlagen) auf. Neben diesen beiden Teams werden auch Titelverteidiger Detroit Pistons, den San Antonio Spurs, den Seattle Supersonics und den Dallas Mavericks mit dem Deutschen Dirk Nowitzki Chancen auf die klobigen Meisterschaftsringe eingeräumt.

Heute starten die Miami Heat gegen die New Jersey Nets (21 Uhr, live auf Premiere) in die Play-offs. Noch ist nicht klar, ob O’Neal im ersten Spiel mitwirken kann, er plagt sich mit einer Oberschenkelprellung. „Wenn Shaq nicht spielen kann, werden wir rausgehen und mit dem Selbstbewusstsein spielen, mit dem wir immer spielen“, sagte Aufbauspieler Dwyane Wade. Doch sie werden Shaquille O’Neal brauchen, er ist mehr denn je ein Garant für Erfolge in der NBA. Jeden seiner bisherigen Klubs, Orlando Magic und Los Angeles Lakers, hat er bereits in das NBA-Finale geführt, mit den Lakers holte er sich von 2000 bis 2002 drei Meisterschaftsringe. Wie wichtig er für eine Mannschaft ist, lässt sich an den Los Angeles Lakers ablesen, die es in der letzten Saison ins Finale geschafft haben – mit ihm. In dieser Saison qualifizierten sich die Lakers noch nicht einmal für die Play-offs – ohne ihn.

O’Neal aber hilft den Miami Heat, bei denen der langjährige Trainer Pat Riley zum Präsidenten aufgestiegen ist, nicht nur mit durchschnittlich 22,9 Punkten und 10,4 Rebounds. Er macht auch seine Mitspieler stärker. Die gegnerischen Teams müssen sich in der Verteidigung oft mit mehreren Spielern auf den riesigen, aber wendigen Centerspieler konzentrieren, was anderen ungewohnten Platz schafft. So half seine Anwesenheit dem 23-jährigen Aufbauspieler Dwyane Wade in seiner zweiten Profisaison, sich von durchschnittlich 16,2 Punkten auf 24,1 Punkte zu steigern. Chicagos Coach Scott Skiles bezeichnet Wade nun sogar als „besten Guard der Liga“.

In Kobe Bryant hatte O’Neal auch bei den Lakers einen überragenden Mitspieler, doch dessen egozentrische Spielweise verärgerte O’Neal. In Miami ist das Verhältnis zu Wade besser. „Manchmal verlassen wir uns auf den einen, manchmal auf den anderen“, sagt Stan Van Gundy, „was uns dabei sehr hilft, ist, dass beide sehr uneigennützige Jungs sind.“ In Eddie Jones, Damon Jones und Alonzo Mourning stehen erfahrene Oldies im Team, in Udonis Haslem und Rasual Butler unterstützen den Trainer auch zwei junge Spieler.

Doch die größte Last in den Play-offs wird auf O’ Neals breiten Schultern liegen. Der 33-Jährige hat von den letzten acht Spielen fünfeinhalb aussetzen müssen, sein Körper wird verletzungsanfälliger. Nach 13 Jahren in der NBA scheint langsam ein neuer Lebensabschnitt näherzurücken. Vielleicht wird früher als erwartet ein 2,16 Meter großer Sheriff in Florida für Recht und Ordnung sorgen.

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